Hinterfotzing

Häuserweihe

Als der Weihrauch ein Pfeifkonzert anstimmte

Wer wie ich noch die Zeit der Häuserweihe kennt, als die damals noch reichlich vorhandenen Priester mit ministrialem Gefolge von Haus zu Haus zogen und diese nicht nur weihten, sondern auch manchmal auftischen ließen, gehört zumindest der Boomergeneration an. Wir pflegen diese Tradition mittlerweile priesterlos aber immer noch mit anschließendem Festmal in Form von Bratwürstl, Geschwollene selbstredend auch. Und natürlich frisch geriebenen Krenn, der die Nase bis ins Hirn hochsteigt und die Augen glänzend feucht macht. Das ist ja gerade die Kunst beim Krenn, so viel auf die Wurst zu packen, dass es gerade noch auszuhalten ist. Ich bewahre einige Generationen von Andachten zur Haussegnung in einer Schublade auf. Die lagen früher in der Kirche auf. Früher war, als die Priester weniger wurden, der Bedarf zur Häusersegnung aber noch signifikant war. Da regte die Pfarrei ihre Gläubigen zur Selbstjustiz an. Manche Texte sind aus der Zeit gefallen, manche zeitlos brauchbar. Flucht und Obdachlosigkeit natürlich ein zentraler Punkt, wenn man ein eigenes Haus oder zumindest eine Wohnung sein eigen nennen kann. 

Meine Frau legt großen Wert auf Weihrauch, es klebt sogar ein Zettel "geweiht" auf der Dose. Ungeweihten Weihrauch kann es eigentlich gar nicht geben, das wäre ja Rauch. Aktuell verwenden wir die vierte Generation Weihrauchfass. Das erste Sakralräucherinstrument war im früheren Leben Annanasbüchse. Mit ein paar Löchern in Kreuzform machte ich es katholisch. Geraucht hat es aber nicht besonders, weshalb wir es bald durch eine Räucherpfanne ersetzten. Da war im Deckel sogar IHS eingeprägt. Doch so richtig geraucht hat es auch nicht. Außerdem ist so eine Pfanne relativ schwierig in lodernde Glut zu versetzen. Dann kam das erste richtige Weihrauchfass, allerdings relativ klein und deshalb auch nur für begrenzte Wohnverhältnisse geeignet. Die hatten wir nicht. Also entschieden wir uns für eine professionelle Lösung. Die erfüllt unsere Räume endlich mit heiligmäßig qualmenden Weihrauchwolken bis in die letzten Ecken. Was sehr wichtig ist, denn genau dort sitzen die bösen Geister, an die wir zwar nicht glauben und deshalb unbedingt und gründlich austreiben müssen. Eine Eigenart des Menschen, die er wohl seinem heidnisch gebliebenen Unterbewusstsein zu verdanken hat.

Zufrieden mit unserem Werk ließen wir uns zu Tisch nieder und freuten uns auf unseren traditionellen Bratwürstlgenuss. Doch grad als sich das erste Stück Bratwurst mit ein bisschen Löwensenf und der richtigen Menge Krenn fein aufgespießt dem lustvoll triefenden Gaumen näherte, erfüllte ein ohrenbetäubendes Pfeifen das ganze Haus, dass der genussbringende Unterarm in Schockstarre verfiel und sogar einige Krümel Krenn zurück auf den Teller stürzten. Da das Geräusch so gar nicht ins Haus zu passen schien und der Situation völlig unangemessen war, dauerte es ein paar Augenblicke, bis wir die Störquelle erahnten. Die Rauchmelder natürlich. Als brave Bürger und Brandversicherte hatten wir sie installiert und wähnten uns damit auf der sicheren Seite. Rauchmelder sind nicht für Häuserweihen mit Weihrauch konzipiert. Man müsste katholische Rauchmelder erfinden, die bei Weihrauch andächtig bleiben. So aber machte ich mich auf die Suche nach der Staffelei, nahm Rauchmelder für Rauchmelder von der Decke und weidete alle batteriemäßig aus. Freilich waren die Würstl dann kälter, aber entweder bist du ein gesetzestreuer Staatsbürger oder du isst heiße Würstl, beides geht nicht zusammen. Jedenfalls montierte ich die Störenfriede erst abends  wieder an Ort und Stelle. Strafe muss sein.
Neben dem Zettel "geweiht" klebt nun ein zweiter "Rauchmelder abmontieren".

Christkindl angeschossen

Großes Entsetzen in der katholischen Welt

Krassberg. Während eines Routineflugs wurde gestern das Christkindl über Krassberg angeschossen und mit schweren Verletzungen ins Klinikum Hirndübl eingeliefert. Als dringend tatverdächtig wurde eine Gruppe Böllerschützen ausgemacht, die sich auf diese Tat akribisch vorbereitet hatte. So soll bereits am vergangenen Sonntag ein Übungsschießen stattgefunden haben. Hier kommt auch der Hinterfotzinger Bürgermeister in die Schusslinie, der in Verdacht stand, das Pulver geliefert zu haben. Er konnte jedoch glaubhaft nachweisen, dass er sein Pulver längst verschosssen hat. Nach ersten Ermittlungen der Ordnungskräfte war dies nicht der erste Anschlag. Schon seit Jahren versuchte die Gruppe an Heiligabend das Christkindl anzuschießen. Da Flugbahn und -zeit des Christkindls bislang jedes Jahr fast unverändert waren, grenzt es wohl an ein Wunder, dass das Christkindl den vorangegangenen Anschlägen unbeschadet entkommen ist. Die Täter, eine Gruppe von zwanzig Schwerbewaffneten, wurde in Gewahrsam genommen. Ballistiker müssen nun überprüfen, aus welchen Waffen das Christkindl getroffen wurde. In der Katholischen Welt herrscht große Bestürzung und Ratlosigkeit. Sogar von der Umsetzung längst anstehender Reformen ist die Rede. Ob das Christkindl den Anschlag überlebt, scheint noch nicht gewiss. Für eine Zeit ohne Christkindl gibt es indes im Vatikan keine Pläne. "Der Tod des Christkindls wäre für uns eine Katastrophe!" sagte gestern Vatikansprecher Traditioni in einer ersten Stellungnahme. Als heute früh der Christbaum auf dem Domplatz von Hirndübl liegend vorgefunden wurde, vermutete die Einsatzleitung eine Anschlagserie, immerhin ist der Domplatz zur Zeit weitgehend für den Verkehr gesperrt. Entwarnung kam, als der Hirndübler Bischof gestand, dass er den Baum beim Ausparken nach der Frühmesse gerammt hatte. In diesem Zusammenhang wird nun gegen einen Glühweinstandbetreiber ermittelt, der zu dieser frühen Zeit schon geöffnet und den Bischof in Versuchung geführt hatte. Der Weihnachtsfrieden ist leider nachhaltig gestört. Spontan bildeten sich Gebetsgruppen zur Rettung des Christkindls. Der Hinterfotzinger Pfarrer umkreist die Unglücksstelle seit Stunden mit einem nagelneuen Weihrauchfass und versucht mit unterschiedlichen Weihrauchmischungen den Ort des Geschehens vor schaulustigen Blicken zu verbergen. Die Welt ist in Aufruhr. Der Weihnachtsfriede dahin. Wie soll es weiter gehen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Hinterfotzing. Sie ist zur existenziellen Frage in vielen Bereichen geworden. So bangt auch der Einzelhandel um das Christkind, den mit ihm würde das Weihnachtsgeschäft sterben. Aber noch ist Hoffnung.

Ausweglos

Der ewige Kreislauf

Wer wird sich das nur ausgedacht haben, dass man die Religion in eine ausweglose Kreisbahn schickt. Der Advent mit dem Warten auf die Geburt des Gotteskindes, ein paar Monate später dessen Hinrichtung, anschließend ein paar Einzelpassagen aus seinem Leben und schon warten wir wieder auf's Christkind. Als Kind vergeht ja die Zeit nicht so schnell. Wie endlos lang doch die Sommerferien waren. Und von dort aus betrachtet war Weihnachten nicht mal ansatzweise zu sehen. Auf Weihnachten zu musstest du den Nikolaus mit seinem Krampus überwinden. Da gab es kein Vorbei, nur weißgesichtiges Bangen. Als Dank für das tapfere Stabhalten gab's noch ein paar Saftige hinten drauf. Die pädagogischen Fähigkeiten der Nikoläuse und Krampusse meiner Kindheit waren höchst übersichtlich und damals war man noch davon überzeugt, dass ein paar kräftige Hiebe der Erziehung förderlich sind. Dass das Christkindl später als Religionsrevoluzzer hingerichtet werden wird, das brachten wir als Kindern nicht in Verbindung. Das Christkindl war ein menschenscheues Flatterwesen, das vor allem Geschenke brachte. Lange nicht so viele wie heute aber bestimmt nicht weniger begehrt und es ließ unsere Augen leuchten. Die Fastenzeit war früher nicht weniger grausam. Da hieß es wirklich noch zu fasten und dann diese gähnend langweiligen Kreuzwegandachten mit Texten, die man am besten in die blaue Tonne hätte werfen sollen, aber die gab es noch nicht. Dann der Karfreitag, als man so tat, als würde Jesus jedes Jahr aufs neue hingerichtet. Der traurige Höhepunkt war aber am Karsamstag, als man nach dem Gebet am Grab, in dem eine Gipsvariante Jesu lag, um den man zu trauern hatte, auch noch die Wundmale Jesu küssen musste, der praktisch in zeitversetzter Kopie des Grabesjesus noch gekreuzigt auf einem schwarzen Tuch lag. Was habe ich mich geschämt, aber das half nichts. Dann endlich die Auferstehung, als wäre sie nicht schon knapp zweitausend Jahre her. Ja, die christliche Religion ist vor Jahrhunderten in eine Endlosschleife geraten und es sieht nicht danach aus, dass sie jemals einen Ausweg findet, sondern sie rotiert weiterhin um Geburt und Hinrichtung und Geburt und Hinrichtung und Geburt und Hinrichtung  mit einer Umdrehung pro Jahr. Lediglich die Terminverschiebung von Ostern ändert den Rhythmus ein bisschen. Ostern, der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, ein absolut heidnischer Termin also, der bestimmt das Datum. Und die Frauen von Maria 2.0? Und die Reformen? Sie müssen warten, bis der Kreislauf ein Ende findet. Entweder durch einen überraschenden Ausweg oder durch Ausdünnen der Rotationsteilnehmer. Und die Krampusnacht und die Trommelfratzen und die Rauhnudlbettler und die Wasservögelsinger und die Sonnwendfeuer, all das wird immer mehr. Ist es am Ende so, dass die alte Religion zurückkommt, weil sie besser zu uns passt? Weil sie aus dieser Landschaft heraus entstanden ist? Gandhi sagte, dass Religionen wie Straßen sind, die alle zum selben Ziel führen. Gandhi hatte großen Respekt vor Jesus, meinte aber auch, dass Christen erlöster wirken müssten. Da hatte er wohl die richtigen Schlüsse gezogen. Ja, das mit dem erlöster Wirken macht uns die Kirche nicht leicht, sie will uns lieber als Sünder. Je größer die Schuld um so besser. Denn nicht der Gesunde braucht den Arzt, sondern der Kranke und vom Sünder ist allemal mehr zu holen als vom Gerechten. Der Sünder braucht den Priester. Und wenn der Priester bestimmen kann, was Sünde ist, dann ist das eine g'mahte Wies'n. Somit ist das große Schuldbekenntnis praktisch eine Sündererhaltungsgarantie. Also auch so ein Kreislauf von Sünde und Vergebung. Das eine geht nicht ohne das Andere. Ein Perpetuum mobile. Schon pervers, dass wir gar nicht dauerhaft gerecht werden dürfen, weil sonst das System nicht mehr funktioniert. Ist wie bei der Polizei. Da geht es auch um Fallzahlen und die brauchen das Verbrechen. Wenn man sich überlegt, wie viele Systeme von Fehlverhalten abhängig sind, dann sieht man erst, wie tief in uns das Fehlverhalten verankert ist. Menschen ohne Fehlverhalten gibt es vermutlich gar nicht. Fehlverhalten also eine Grundanlage des menschlichen Wesens und damit als systemrelevante Komponente unverzichtbar. Trotzdem sollen wir uns ständig dafür schämen. Als ob sich ein missratenes Kunstwerk schämen müsste und nicht der Künstler. Ich sag halt immer: Wenn Gott mich besser gewollt hätte, dann hätte er mich besser gemacht. In diesem Sinne: Nimm dich an wie du bist! Du bist so gewollt.

Die Mühsal des Katholizismus

Wie sich gähnende Langeweile ausdehnen lässt

Natürlich hat es etwas Reizvolles, wenn man einen Ausflug zu einem dieser Mittelaltermärkte macht, wo die Handys hinter historischen Gewändern versteckt und hoffentlich auf Vibration geschaltet sind. Oder die Fehlsichtigkeit den Verzicht auf die Brille unmöglich macht, aber Hauptsache die historische Stimmung ist da und man fühlt sich entrückt. Was macht's da, dass man von Kopf bis Fuß in Hightech-Textilien steckt, um vor den Unbilden des Wetters geschützt zu sein. Wir lieben es trotzdem, dieses vermeintliche Eintauchen in die Vergangenheit, weil man ja weiß, dass auf dem Parkplatz das Auto steht, mit dem man jederzeit und schnell zurückkatapultiert wird, bevor der Schwarze Tod die Illusion perfekt macht.

Ein völlig anderes Erlebnis ist es, wenn du gar keinen Vergangenheitstauchgang machen willst und nichtsahnend den Sonntagsgottesdienst besuchst, dich aufgrund der Altarbesetzung auf eine Stunde Gedankenverlorenheit einstellst, dabei die herrlichen Farbenspiele an der Wand auf dich wirken lässt, während der Protagonist irgendwo verharrt, dann freudig den Predigtausfall zur Kenntnis nimmst und auf das baldige Ende der Heiligtümelei hoffst, dann aber ein mittelalterliches Schaupiel folgt, das der Protagonist wohl in irgend einer sehr alten Truhe unter Unmengen anderer aus der Zeit gefallenen Nutzlosigkeiten hervorgezerrt hat und damit die versammelte Menge großteils in Entsetzen versetzt, das relativ bald in Ärger umschlägt, der wohl für den Rest des Tages anhalten wird.

Während der Protagonist in Selbstverzückung eine Litanei nach der anderen aus der Mottenkiste zaubert, versuchen andere, die Kinder auf akzeptablem Geräuschpegel zu halten und fragen sich dabei vermutlich, warum? "Lasset die Kinder zu mir kommen" scheint aus dem Absichtskatalog der Kirche gestrichen worden zu sein. Und warum geht man nicht einfach? Das werden wohl viele überlegt haben. Warum muss man bei so massivem Missbrauch der Protagonistenstellung selber den Anstand bewahren? Wäre es nichtgerade die Pflicht, mit den Füßen abzustimmen? Bei einem miesen Mittelaltermarkt würde man das unverzüglich tun und zwar ohne mit der Wimper zu zucken.

Aber so ist das, wenn du eine katholische Erziehung genossen hast. Da kann der da vorn am Altar die Langeweile ausdehnen wie er will und das Katholiksein zur Mühsal machen, du bleibst! Noch! Denn irgendwann wirst du den Mut aufbringen, dem da vorne zu zeigen, wo der Bartl den Most holt und gehst und kommst nicht wieder.

Vorweihnachts Hysterie

Warum das Christkindl in die Psychiatrie musste

Hmmm! Herrlicher Plätzchen- und Glühweinduft zieht über den Hinterfotzinger Dorfplatz, auch ein Hauch von Bratwürstl hängt in der Luft. Von der Kirche her ertönen adventliche Weisen und machen die Stimmung perfekt. Einstimmung auf Weihnachten! Endlich ist es so weit. Früher mussten wir immer bis zum Advent warten, aber diese harten Zeiten brachten wir hinter uns. All der Schnee und die Kälte, die idiotische Adventsbeleuchtung, so vieles erspart man sich durch das Vorziehen der voradventlichen Verkaufsmärkte. Die Standlbetreiber sind freundlich und frieren sich nicht die Zehen ab. Lediglich die unvermeidlichen Perchtenraubkopien schwitzen ihre Starwarsfratzen voll.

Als nun das Christkindl das Treiben bemerkte, geriet es in absolute Panik. War es schon wieder so weit? Und sogleich riss es das erste Adventtürl mit dermaßen Schwung auf, dass es aus den Angeln flog und dem Nikolaus einen fürchterlichen Hieb ins Kreuz versetzte, bevor es krachend und auf Nimmerwiedersehn die Himmelsleiter hinabpolterte. Wie besessen hämmerte das Christkindl auf den Himmelscomputer ein und bestellte bei Amazon, was die Tastatur her gab. Wie hat sich doch die Zeit gewandelt? Früher reichte ein Geschenk pro Mensch, heute schickt jeder eine Endlosliste, das es dir als Christkindl den Vogel heraushauen müsste. Trotzdem war es beim 24. Türl mit Allem fertig und raste auf mehrspurigen Himmelgleisen mit einer Armada an vollbeladenen Geschenkgüterzügen Richtung Erde.
Die Überraschung war perfekt, als sie in keinem Haus ein vorbereitetes Weihnachtszimmer fand. Niemand wartete auf das Christkindl. Nirgends ein Christbaum, keine leuchtenden Kinderaugen. Die Menschen hasteten durch die Grauheit des Lebens und schienen keinen Platz zu haben für ein Christkindl. Am schlimmsten waren die unzähligen Paketautos, die es von allen Seiten anhupten, als es versuchte, die Geschenke loszuwerden. Bis ein besonders entnervter Paketzusteller mit wüsten Beschimpfungen auf das Christkindl losging, was es sich denn einbilde, mit einem weiteren Konkurrenzunternehmen den Druck auf die Branche noch weiter zu erhöhen. Bevor er zum tätlichen Angriff überging, hielten ihn einige Kollegen zurück und verständigten Polizei und Rettung. Das fehlte noch, dass der unerträgliche Adventpaketstress in eine Schlägerei ausartet.

Als das Christkindl sich zu erkennen gab, sahen es die Paketfahrer verstört an, ja warum es denn heuer schon am  9. Dezember komme. Woraufhin das Christkindl wie aus allen Wolken fiel und zum nächsten Kiosk hastete. Nach einem Blick auf die aktuelle Ausgabe der SZ brach es in einen nicht enden wollenden Schreikrampf aus, flog kreischend durch die Straßen und donnerte gegen einen vorbeibrausenden Paket-Lastwagen, worauf es ziemlich ramponiert zu Boden flatterte. Als die sowieso schon herbeigeeilte Ambulanz das immer noch tobende Christkindl auf der Trage festgeschnallt hatte, ging es mit Tatütata in die Psychiatrie, wo es mit Medikamenten ruhig gestellt wurde.

Nach zwei Tagen konnte die Zwangsjacke abgenommen werden, jedoch gelang es nicht, das Christkindl wieder gesund zu machen, weshalb gerichtlich eine lebenslange Sicherungsverwahrung angeordnet wurde. Leidtragende seit diesem denkwürdigen Vorfall sind nun vor allem die Eltern, weil sie die Geschenke nun selber besorgen müssen, aber noch mehr die Paketfahrer, die sich vor Weihnachten die Seele aus dem Leib rennen müssen. Angeblich ist das Christkindl in der Psychiatrie an der Menschheit verzweifelt, denn eines Tages fand man es ziemlich tot an der Decke kleben. Im Polizeiprotokoll wurde vermerkt: Beim Fluchtversuch verstorben.

50 Jahre Betonzelt Hinterfotzing

Der Hinterfotzinger Betonzeltverein feiert

Is ja schon interessant, dass der Pressedings das überhaupt gewusst hat, weil in der Presse war es gar nicht angekündigt. Demensprechend (wie Bürgermeister Sturbacher das bezeichnen würde) waren doch etliche da und haben sich von den aktuellen und ehemaligen Zeltmeistern etwas vorzelebrieren lassen. Sogar der Dings war da, der öfter mal da ist und auch der sehr kleine Zwerg war natürlich da, insgesamt viele Geistmenschen. Obergeistmensch Bruno Rauchbier hielt eine Ansprache, die auch einem einjährigen Jubiläum gerecht geworden wäre. Und schließlich musste auch Anton Sturbacher noch seinen dementsprechenden Senf dazu geben. Und man sagt dann nichts. Zumindest wurde nicht applaudiert. Dabei sollte man etwas sagen, denn wenn einer mit seiner Meinung, dass er gut reden kann dermaßen daneben liegt, dann müsste ihm das schon mal wer sagen, das wäre fair. Alles andere ist letztlich nur Scheinheiligkeit und es schadet beiden Seiten. Dem einen, weil das Lob geheuchelt ist und den anderen, weil sie es erdulden müssen. Aber du weiß ja nicht, wie ein mir Ehrlichkeit konfrontierter Sturbacher reagieren würde. Nachher hast du ein mords Gschiss und alles ist verärgert und du bist der Depp. Also erträgt die Welt lieber unerträgliche Ansprachen, bevor ein ehrliches Wort über die Lippen kommt. Ja, es wäre schon gut, wenn der liebe Gott uns mit so viel Selbsterkenntnis ausgestattet hätte, dass wir erkennen könnten, was wir können und was nicht. Wenn du im Wirtshaus einen richtigen Fraß vorgesetzt bekommst und die Kellnerin fragt "Hat's geschmeckt?" dann sagst du Depp auch noch "Dank schön!", weil dir die  Ehrlichkeit peinlich wäre. Dabei würde die Ehrlichkeit künftig zu besserem Essen führen. Gut zu besseren Reden nicht, denn das kannst du oder du kannst es nicht. Sag das mal dem Sturbacher, dann bist garantiert zum letzten Mal gegrüßt worden. Der wird weiter reden, so beratungsresistent ist der. Aber ich sag immer, die eine Sache ist, dass du etwas werden möchtest, aber da müssen auch die sein, die dich dahin wählen. Wenn es also dem Kandidaten an Selbsterkenntnis mangelt, dann sollte zumindest die Wählerschaft das Hirn einschalten. Aber Hirneinschalten überlässt man gern anderen. Und wenn es bislang mit Durchschnittskandidaten ging, dann reicht auch künftig ein durchschnittlicher Kandidat. Schließlich wollen doch alle zu allererst, dass sich ja nichts ändert. Da bist du mit einem Durchschnittskandidaten auf alle Fälle auf der sicheren Seite. Und wenn der gewählte Durchschnittskandidat einen Stiefel zusammenredet, dass du dich in Grund und Boden schämst, dann hör halt nicht hin. Nicht hinhören und nicht hinsehen sind in unserer Gesellschaft sehr probate Mittel und mit Nichthinhören sind auch die katastrophalsten Reden völlig egal. Als Geschenk bekam der Betonzeltverein von Sturbacher ein Geschenk der Kategorie C, ein Geschenk also für weniger wichtige Anlässe. Zum Geschenk passte die Rede also einigermaßen.

Der Gustl kapierte es nicht

Warum Religion so kompliziert sein muss

Zugegeben, wenn Religion einfach wäre, dann hätte eine große Gruppe Menschen auf einmal keine Arbeit mehr und in Rom würde ein neues Viertel frei. Nun ja, es ist kein großes Viertel, aber zumindest ein ziemlich reiches und mit einer hohen Selbstwichtigkeit ausgestattet. Da es aber immer mehr zu einem Museum wird, in dem Dinge aufbewahrt werden, die man früher brauchte und keine zeitgemäßen Dinge hinzukommen, verliert es zunehmend an Bedeutung für die richtige Welt. Sucht man einen Vergleich mit der Landwirtschaft, dann klammert sich das Viertel verzweifelt an einen Dreschflegel und verweigert sich dem Mähdrescher. Nun ja, der Borkenkäfer der Zeit wird weiter an dem Viertel nagen. Ein bisschen Schuld hat dabei auch der Gustl auf sich geladen. Der Gustl ging einmal am Meer spazieren und sinnierte darüber, wie die verschiedenen Ansichten Gottes zu einem Bild zusammenpassen könnten. Dabei machte der Gustl den Kardinalsfehler, dass er glaubte, Gott verstehen zu können. Aber wie will eine Gehirnzelle das Gehirn verstehen? Der Gustl baute dann im Rahmen seines Denkvermögens einen dreifaltigen Gott, den er aber trotzdem nicht verstand. Und seit Gustl geht es allen nachfolgenden so. Mittlerweile schreibt der vermeintliche Chef des römischen Museumsviertels Briefe, aus denen er alles herausstreicht, was er eigentlich sagen möchte und dann kommen sie als floskelreich garnierter Wortsalat in Deutschland an und jeder liest das Seine heraus. Einfach hat uns das der Gustl wahrlich nicht aufbereitet. Allein schon die Tatsache, dass man heute einen Gottesteil wie bei der Speisung in Tagba die übrig gebliebenen Gottesteile in einem Kelch sammelt und dann in einer reich verzierten Konserve wegsperrt, zeigt schon, dass Unverständnis des göttlichen Wesens. Zu glauben, Gott wegsperren zu können, verleitet schnell zur Ansicht, Gott besitzen zu können und damit Macht über andere zu gelangen. Das kann dann schon mal in der Segnung von Waffen, wenn es sein muss in beiden gegnerischen Heerlagern führen. Und es kann auch dazu führen, dass man sich in einer Art Göttlichkeitsarroganz über andere Religionen erhebt, nur weil die keine Gotteskonserve, sprich weniger Gott, demnach weniger Gottwirksamkeit haben. Und wenn du dir mal überlegst, wie menschengemachte Kirchengesetze  sich heutzutage gegen die Menschen richten, dann hätte sich der Gustl lieber mit lebenspraktischeren Dingen beschäftigen sollen und begreifen, dass er  die Dreifaltigkeit eh nicht begreifen kann. 

 

Der Geschichtenerzähler

Es war einmal ein kleiner Zwerg, also ein wirklich kleiner Zwerg. Er wohnte in einem großen Haus aus Stein, viel zu groß für ihn, aber das störte ihn nicht, er kam sogar sehr gut mit dem großen Haus zurecht, denn seine Arbeitsstelle war ein noch viel größeres Haus, ein riesengroßes leeres Haus. Wenn er in dem riesengroßen Haus war, dann bestand seine Aufgabe darin Geschichten zu erzählen und den Menschen Mut zu machen, aber wie macht man Mut? Er wusste es nicht und deshalb erzählte er jede Woche eine neue Geschichte von einem großen Mann, der vor vielen hundert Jahren gelebt hatte und den Menschen viele Geschichten erzählt hatte, schöne Geschichten aber auch gefährliche Geschichten, bei denen er seinen Zuhörern den Spiegel vorgehalten hatte. Der wirklich kleine Zwerg dachte sich, dass diese Geschichten den Menschen immer noch gefallen müssten und damit hätte er sogar recht gehabt, aber er erzählte nicht diese Geschichten, sondern erzählte von dem Geschichtenerzähler und wie hervorragend dieser seine Geschichten erzählen konnte. Und weil die Menschen immer weniger zuhörten, beschrieb er den Geschichtenerzähler in immer verklärteren Farben. Es ging immer weniger um die Geschichten und immer mehr um den Geschichtenerzähler und das ist so, als würdest du über einen großen Musiker erzählen ohne dass die Zuhörer jemals seine Musik gehört hätten. Du kannst Musik nicht mit Worten beschreiben, man muss sie hören. Er beschrieb den Geschichtenerzähler mit Eigenschaften, über die der Geschichtenerzähler vermutlich sehr erstaunt gewesen wäre. Er hat diese Eigenschaften nicht erfunden, sie entsprangen den düsteren Zeiten lange vor seiner Existenz. Die Zuhörer mochten das nicht.  So wurde der sehr kleine Zwerg immer einsamer in dem riesengroßen Haus, weil seine Geschichten immer verklärter und entrückter wurden und die Zuhörer nichts mehr mit ihnen anfangen konnten und schließlich nach und nach nicht mehr in das riesengroße Haus gingen, wenn sie wussten, dass der sehr kleine Zwerg Dienst tat. Aber der sehr kleine Zwerg blieb beharrlich, das konnte er, denn seinen Lohn bekam er so pünktlich wie das Amen in der Kirche und ungeachtet des Werts seiner Geschichten. Niemand weiß, ob der sehr kleine Zwerg noch im riesengroßen Haus liest, denn die Menschen gewöhnten sich an, nicht mehr in das riesengroße Haus zu gehen und sie merkten, dass es ihnen besser ging, wenn sie die Geschichten des sehr kleinen Zwergs nicht hörten. Das war eigentlich sehr traurig, denn die Menschen brauchen Geschichten. Deshalb sind Geschichtenerzähler sehr wichtig für die Menschen. Geschichten berühren das Herz und die Seele. Geschichten können Menschen auf eine wunderbare Reise entführen. Aber dazu müssen Geschichten gut sein. Gute Geschichten sehr gut erzählt, wer könnte da widerstehen?!

Reindlbittgang

Die Kulinarisierung der Religion

Nun ja, Bittgänge haben vermutlich das Ende ihrer Lebensperiode erreicht. Wozu segnend über die Felder gehen, wenn doch die industrielle Ertragsmaximierung wenig mit dem Erhalt der Schöpfung am Hut hat. Soll Gott etwa den Menschen vor dem Menschen schützen? Das dachte sich auch Pfarrer Bruno Rauchbier und wandelte den Bittgang zu einer kulinarischen Zielwanderung mit Reindlfinale um. Natürlich mit Anmeldung und bei jedem Wetter, also das Reindl. Der Bittgang freilich nur bei Schönwetter. Mag schon sein, dass dieses Konzept aufgeht, immerhin steht der Genuss zur Zeit recht hoch im Kurs. Aber das schien dem ausführenden Klerikalexemplar gegen den Strich zu gehen, also wurde der Bittgang mit einer Litanei eingeleitet, der die Heiligen schier auszugehen drohten. Praktisch eine vollständige Aufzählung sämtlicher Verheiligten. Dass die Hinterfotzinger Selbiges nicht gutierten, kannst du dir getrost vorstellen. Ja, es gibt durchaus sehr erfolgreiche Methoden, die Anzahl der Kirchenaustritte zu beschleunigen, zumindest die Zahl der Bittgangswilligen zu dezimieren. Ob das finale Reindlerlebnis die Marathonlitanei wettmachte, war zu Redaktionsschluss nicht bekannt. Freilich wäre es interessant, was eigentlich Gott von dieser Variante und der Einleitung hält. Es muss aber wohl leider davon ausgegangen werden, dass das bei den Beweggründen für Litanei und Reindl bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielte. 

Und sie bewegt sich doch

Über die relative Geschwindigkeit der Zeit

Eilt sie oder schleicht sie? Ich meine die Zeit. Meist rinnt sie dir durch die Finger wie munteres Quellwasser und du kannst  die Finger noch so fest zusammendrücken, es nützt nichts, dann dann läuft sie eben über den Handteller oder spritzt in alle Richtungen davon. Ja, wir haben sie getaktet. In Jahre, in Monate, in Wochen, in Tage, in Stunden, in Minuten und auch noch in Sekunden. Aber sie eilt wenn sie will und lässt sich nicht kontrollieren, da kannst du eine noch so teure Uhr kaufen, die sie noch so genau anzeigt, aber bremsen kannst du sie nicht. Als Gegenmittel kannte ich bisher nur Zahnweh. Ja, da kriegt sie auf einmal eine ungeahnte Länge, aber Zahnweh ist mittlerweile fast so selten wie Langeweile, also als Zeitbremser kein verlässlicher Partner. 
Aber scheinbar ist es mit der Zeit wie mit einem Fußball. Du knallst in mit voller Wucht weg, dass er nur so fliegt, aber dann kommt er auf den Boden und wird immer langsamer, bis er bloß noch rollt, dann durch's Gras schleicht, bis er schließlich liegen bleibt. So ist es auch mit dem Leben, irgendwann kommst du auf den Boden der Tatsache und die Flügel werden dir gestutzt, sei es mit Kreuzweh, Kunstgelenk oder einem Rollator und dann schleichst du noch ein Stück, bis du im Pflegebett zum Liegen kommst und mit dir die Zeit. Dann zählst du die Minuten, dann die Sekunden und dann vergisst du von Tick zu Tack die letzte Zahl, weil der Abstand zu groß wurde. 
Aber solange es munter dahinsprudelt, hast du nur mit Zahnweh eine effektive Zeitbremse. Zumindest dachte ich das, bis ich vor ein paar Jahren in Hinterfotzing einen neuen Insichversunkenen vor Gottes Wohnkonserve entdeckte. Der konnte die Zeit nahezu zum Stillstand bringen und jede Minute zur Ewigkeit machen. Die Methode ist so wirkungsvoll wie einfach: Erzähle eine bekannte Geschichte und wiederhole mantraartig die abstrusesten Begründungen. "Der Opa schickt seinen Sohn zu seinen bösen Enkelkindern, damit die ihn erschießen, wonach der Opa seine Enkelkinder wieder richtig lieb hat." Abgesehen, was das über die Vater-Sohn-Beziehung aussagt, verstehst du vielleicht, was ich meine, wenn ich dir erzähle, dass der Sohn das verstanden hat. Nun stelle dir mal vor, ich lege dir innerhalb von fünfzehn Minuten dar, warum das so sein musste, dann wirst du entweder geistig abschalten oder gefühlte hundertzwanzig Minuten später deinen Gähnmarathon beenden. Aber es ist unglaublich, wie der Insichversunkene damit die Zeit abbremsen kann. Er beginnt und es ist Frühling, er endet und du meinst, es muss Herbst sein, aber es waren nur fünfzehn Minuten. Du bekommst eine Ahnung von Ewigkeit und einen Eindruck, wie es im Pflegebett sein wird. Zeit. Und erst beim Ausgang reißt dich die Zeit wieder mit sich fort und trotzdem bist du froh, ja sehr froh, denn schleichende Zeit macht lange Weile und die ist langweilig.

Versäumte drei Minuten

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Don Camillo und Peppone, mit ihrem ewigen Zwist. In einer Episode geht es um den Uhrenabgleich zwischen dem Kirchturm und dem frisch gebauten Haus des Volkes. Nun gehen aber in Hinterfotzing die Uhren völlig anders. Erstmal hat das Haus des Volkes keine Uhr, zweiten gibt es kein Haus des Volkes, was das Fehlen der Uhr erklärt und die Uhr am Kirchturm hat ihr eigenes Leben und schlägt nach Lust und Laune die Zeit mal so oder so. Aber immerhin hält sie sich in der Minuteneinteilung ziemlich an die mitteleuropäische Normalzeit, aber eben nur ziemlich, denn in der Regel fehlen ein paar Minuten. Jetzt lasse ich mich natürlich nicht auf alle Zeiten auf eine Differenz festlegen, aber am 20. Januar 2019 um 21:24 waren es 3 Minuten, die unsere Hinterfotzinger Kirchenuhr hinterherhinkte.

Aber leider stimmt das nicht. Denn wenn du dir so eine Kirchenuhr einmal genauer anschaust, dann deckt sie lediglich einen halben Tag ab, also zwölf Stunden. Ab dem Mittagläuten geht sie in die zweite Runde. Nun will ich aber mal so gnädig sein, die zwei Runden als einen Tag zu interpretieren. Es wir ja wohl jeder Uhrhinschauer in der Lage sein, zu erkennen, ob es sich um die erste oder um die zweite Tagesrunde des kleinen Zeigers handelt. Vielleicht im Fasching nicht, aber das war bei den meisten auch früher. Die aktuelle Faschingsgeneration hat entweder den Absprung verpasst oder sie schaut sowieso die ganze Zeit auf das Handydisplay und braucht keine Kirchturmuhr, um zu wissen, wie viel es geschlagen hat, weil sie das sowieso nicht mehr wissen. Manchmal frage ich mich schon, wann die Handygeneration mit dem Entzug beginnt und zu einem normalen Leben im 3D-Format zurückfindet. Jetzt machen sie schon Ampellichter auf den Boden, weil Displaystarrer bei rot überfahren wurden. Aber so ist das halt. Kommt etwas Neues, muss man den Umgang damit lernen. Bei uns war es der Fernseher. Aber der Fernseher war damals kein so großes Problem, weil zwar immer da, aber meistens mit Testbild und so ein Testbild schaust du dir nicht lange an, wenn du kein Antenneneinsteller bist. Aber Antenneneinsteller gibt es heute nicht mehr und bald auch keine Schüsseleinsteller, sondern bloß noch Breitbandverleger.

Beim Handy gibt es leider kein Testbild, sondern du kannst es vierundzwanzig Stunden am Tag anschauen und immer tut sich was, weil Millionen Leute in den Sozialen Medien ihr Leben so zur Schau stellen, wie sie es gerne hätten, damit die anderen, ihre sogenannten Freunde glauben, dass sie wirklich so toll leben, wie sie das perfekt inszenieren. Mein lieber Schwan, wenn diese Blase einmal platzt, dann stehen verdammt viele Handyglotzer in Unterhosen da, weil die Hose und das tolle Sakko und die eleganten Schuhe von Gutschi alles nur erlogen waren. Genauso wie der tolle Urlaub auf den Bahamas, wo das Hotel absolut scheiße und nicht mal am Strand war und du Megastress mit deiner Freundin hattest, die nun wohl nicht deine Frau werden wird, weil sie dich ein paarmal zu oft ein Arschloch genannt hat.
Und wenn der Handyentzug abgeschlossen und die Halswirbelsäule wieder senkrecht justiert ist, dann schauen sie vielleicht auch auf die Kirchturmuhr und werden die drei Minuten feststellen. Jetzt ist das aber kein Problem, weil die Kirche ja Glocken hat und die werden geläutet. Man muss wissen, dass es vor gut 30 Jahren das Internet und die ganzen unsozialen Medien überhaupt nicht gab. Da wurde tatsächlich mit Glocken auf Veranstaltungen hingewiesen. Eine Glocke: Du hast noch eine Viertelstunde. Drei Glocken: Fünf Minuten bis zum Anpfiff. Vier Glocken: Fünf Minuten vor Festtagsgottesdienst. Eine kleine Glocke: Game over.

Hast du schon mal eine WhatsApp von deiner Pfarrei bekommen? Vermutlich nicht. Denn die Kirche hält immer noch am Glockennachrichtsystem fest. Freilich: Das System hat eine lange Tradition, seit dem 9. Jhd. sind Kirchenglocken gebräuchlich. Das muss WhatsApp erst mal schaffen. Andererseits scheint die Wirkung der Glocken nachgelassen zu haben, also vielleicht doch eine Viertelläutenwhatsapp?
Die Haltung der katholischen Kirche ist stoisch und so leicht bringt sie nichts aus der Ruhe in die Gegenwart. Jesus hat die Scheidung verboten und Jesus hat nichts von WhatsApp gesagt. Stimmt! Jesus hat aber auch nichts von Glocken (das war Schiller) und Orgeln gesagt und auch nichts vom Zölibat, aber da fürchtet die katholische Kirche bei jedem Rütteln um ihren Fortbestand. Stell dir einmal vor, die Menschen im Barock hätten sich in Punkto Kirchenmusik so verhalten, wie wir heute. Dann hätten sie Gesänge aus dem 12. und 13. Jahrhundert gesungen, aber keinesfalls dieses moderne und liederliche barocke Zeug. Insofern kann man bei Kirchenmusik feststellen, dass sie 300 bis 400 Jahren zurückgeht. Aber die Kirchenuhr zeigt nur 3 Minuten Rückständigkeit an. Das liegt daran, dass die Kirchenuhr 300 und 400 Jahre nicht anzeigen kann. Also geht die Kirchenuhr in Hinterfotzing nicht drei Minuten nach, sondern mindestens 300 Jahre und 3 Minuten.

Die heilige Kopfbedeckung

Palmsonntag. Ein relativ junger und etwas kirchenunerfahrener Vater sitzt in der Kirche und hat alle Hände voll mit seinem weihpalmschwenkenden Nachkömmling zu tun. Ob deswegen oder der Kälte wegen, jedenfalls ließ er seine Mütze lange auf dem Kopf, dann schien ihm aber doch eine Erinnerung an längstvergangene Kindheitskirchenerlebnisse gekommen zu sein und er entblöste sein Haupt, wobei aber so viel nackte Haut zum Vorschein kam, dass Mütze auf die bessere Alternative gewesen wäre.

In der Kirche ist "Kopfbedeckung ab" angesagt, außer du bist ein Würdenträger oder so ein Neuzeitkonservativer, der sich innerlich hinter das Konzil katapultiert hat. So ein Bischof hat entweder seinen Spitzhut auf, oder die Kippa und dann kommt das Ding rauf und wieder runter, dass selbst Jesus die Stirn runzeln würde. Kirche und Riten, das ist schon so eine Sache, die der Staub der Jahrhunderte zu völliger Unbeweglichkeit niederdrückt. 

Nimmt man einmal das ständige Spiel "StehSitzKnie", das in jedem Gottesdienst gespielt wird. Die meisten können es, vor allem die Regelmäßigen, die Stammbeter. Aber dann ist mal wieder ein Beerdigung und First-Class-Trauernden müssen sich zum Requiem in die vordersten Bänke setzen. Immer häufiger sind die aus dem "StehSitzKnie-Spiel" völlig draußen und brechen die Spielregeln am laufenden Bande. Da sieht man mal, wie wichtig die Feuerwehrmitgliedschaft ist, oder Frauenbund, aber uniformiert ist schon besser, weil einheitlicher. Der Verein wird nämlich im Blickfeld der First-Class-Trauergruppe postiert, was einerseits für den Verein sehr wichtig ist, weil seine Trauermitarbeit maximal zur Kenntnis genommen wird. Für die First-Class-Trauernden fungiert die Feuerwehr als Spielanleiter und bewahrt sie damit vor Spielfehlern.

Die Alternative wäre so eine Art Ampel mit steh (grün), sitz (gelb), knie (rot), vielleicht mit dem Berliner Ampelmännchen als Symbol. Aber solange die Vereine diese Funktion für ein anschließendes Gedeck bei der Totenzehrung übernehmen, funktioniert das auch so, zumindest auf dem Lande.

Das Kind

Dass man über die Geburt des Kindes sogar 2017 Jahre später noch spricht zeigt schon, dass es kein normales Kind war. Zwar hat man viel hinzuerfunden und anderes den eigenen Wunschvorstellungen angepasst, aber das ändert nichts daran, dass es ein sehr außergewöhnliches Kind gewesen sein muss, welches vor 2017 Jahren das Licht der Welt erblickte. Schon im Mutterleib begab sich das Kind auf diplomatische Reisen und besuchte einen mittelnahen Verwandten, der natürlich noch keinen Namen hatte, aber später als Johannes der Täufer bekannt wurde. Sogar in der Bibel ist vermerkt, dass sich der spätere Johannes über den Besuch des Kindes unheimlich freute und im Bauch zu hüpfen begann. Vermutlich korrespondierten die zwei Föten über eine archaische WhatsApp-Version. Das Kind selbst scheint dabei ruhig geblieben zu sein, denn sonst wäre dies ebenso erwähnt worden.

Geboren wurde das Kind in Bethlehem während einer Reise, deren Ursache eine Volkszählung gewesen sein soll, welche der damalig amtierende Kaiser Augustus in Auftrag gegeben hätte, was aber selbiger und sein gesamter Hofstaat aufzuschreiben vergessen hatten. Dass das galiläische Kind ausgerechnet Bethlehem als Geburtsort wählte, zeugt von seinem Weitblick, denn Bethlehem liegt im Westjordanland und ist heute palästinensisches Gebiet. Aber Palästinenser waren zu dieser Zeit noch nicht erfunden. Man sollte das aber als Fingerzeig betrachten, dass das Kind bei seiner Geburt praktisch in vorausgreifender Nachahmung von J.F. Kennedy „ich bin ein Palästinenser“ bezeugte.

Die Geburt fand in einen Stall bei Bethlehem statt, ein Beleg, dass Wohnungsnot kein Problem der Neuzeit ist. Wie die Eltern des Kindes den Stall mieten konnten, ist nicht überliefert. Der Stall muss jedoch gerade frei geworden sein und die Eltern des Kindes hatten sicher Reit- und Tragtiere dabei. Im Stall befanden sich ein Ochse und ein Esel unbekannter Herkunft. Man wird sich wohl über den Mietpreis rasch einig gewesen sein.

Als das Kind geboren war, begann es sofort damit, alle und alles zu segnen. Angefangen mit seinen Eltern, Josef und Maria, hin zu herumlungernden Hirten und schließlich sogar den Stall selbst und die Fledermäuse im Gebälk, die sich abrupt zu Engelchen verwandelten und nach einem Crashkurs auf allerlei Instrumenten spielen mussten. Für den Stallbesitzer war das alles eine Katastrophe, denn als Stall war die Hütte nun definitiv nicht mehr zu gebrauchen und die Nachfrage nach Kirchen tendierte gegen null. Auch die Hirten betrachteten sich plötzlich als etwas Besseres und verloren das Interesse an den blöden Schafen.

Schon wenige Tage nach der Geburt knüpfte das Kind diplomatische Beziehungen und bestellt die Außenminister der umliegenden Staaten ein. Damals im Volksmund als „die Weisen aus dem Morgenland“ bekannt. Die erschienen dann mit allerlei Geschenken, wie das damals halt so üblich war. Das Kind vergaß aber den örtlichen Herrscher einzuladen, einen gewissen Herodes, was diesen unheimlich wurmte, ja sogar zur Weißglut brachte, weil seine Regentschaft völlig ignoriert wurde. Man stelle sich ähnliches Verhalten im heutigen Bayern vor.

Dass Herodes im März 4 v. Chr. starb, ist das einzige Manko an der Geschichte. Aber das darf man halt nicht so eng sehen. Als der bereits verstorbene Herodes ernsthafte Konsequenzen androhte, begab sich das Kind in Begleitung seiner Eltern auf diplomatische Reise in das benachbarte Ägypten, wo es einige Zeit blieb. So zumindest lesen wir in der Bibel. 

Advent rapapapam

Gedanken zur verrücktesten Jahreszeit

Wie eine Maschinengewehrsalve peitscht der "Little Drummer Boy" durch den Spätherbst. Unüberhörbar ist die staade Zeit über das Land hereingebrochen.
Der Advent hat sich in den letzten Jahrzehnten kräftig entwickelt. Die Stadt Hamburg wirbt heuer mit einer Glühweintour. Schließlich weiß jeder, dass der Geldbeutel im Rausch lockerer sitzt. Praktisch Einkaufsvorglühen.

Durch die Kirche wabert der Weihrauch in dicken Schwaden, dass die Gehgeschwindigkeit zum Kommunionempfang häufig den schlechten Sichtverhältnissen angepasst werden muss und trotzdem einige orientierungslos durch den heiligen Nebel irren. Vielleicht sollte man die Stimmung mal durch Mitnahme einiger Rauchmelder aufheitern. Im Gottesdienst singst du „Wir sagen euch an“ und du brauchst nicht glauben, dass am vierten Adventsonntag nur die vierte Kerze brennt, da wird der ganze Adventkranz gnadenlos gesanglich abgefackelt.

Ich weiß es nicht, wer auf die Idee kam, das Leben Jesu in die Spanne zwischen Dezember und Ostern hinein zu pressen. Jedes Jahr diese aufgesetzten Gefühlsausbrüche, wie Maria dem Josef das Techtelmechtel mit dem Heiligen Geist beichten soll, dann Hosianna, er ist geboren, die schmerzbetrübte Kreuzigung und er ist auferstanden, Halleluja.

Freilich, ist er das, aber das war so um das Jahr 28 – 33 und geboren ist er so um minus vier, soweit man das heute sagen kann. Eine Geburt, der wir vermutlich ein ziemlich anderes Gesicht verpasst haben. Ein armseliger Stall  außerhalb von Bethlehem. Maria und Josef stehen selig neben der Futterkrippe, in der ihr eben Neugeborenes liegt, auf Heu und Stroh. Was ist denn das für eine Mutter, die ihr zartes Neugeborenes auf Heu und Stroh bettet? Überall im Stall hängen Engel mit Instrumenten herum. Da kann man nur hoffen, dass sie vorher geprobt haben. Aber was spielten Sie? Mozart, Haydn, Schubert, Bach, Haindling und die Rolling Stones, alle noch nicht geboren. Das mag vielleicht ein Zeug gewesen sein, was da dem lieben Jesulein den Schlaf raubte. Und dann kommt auch noch dieser hyperaktive Rotzlöffel mit seiner Blechtrommel daher und setzt der Kakophonie die Krone auf, dass man es selbst im Rathaus von Bethlehem noch schmerzhaft hören konnte und der eben neugewählte Bürgermeister seine zwei verdutzten Stellvertreter fragte, was denn da los sei?

Was ging eigentlich in dieser Frau Davis vor, als sie den „Little Drummer Boy“ getextet hat? Die dritte Strophe müsste sämtliche Jugendämter weltweit auf die Barrikaden treiben. „Bei ihm waren – pa ram pam pam pam – ja Ochs und Esel nur – pa ram pam pam pam“. Der kleine Jesus, kaum geboren, splitterfasernackt in eine kratzige und dreckige Futterkrippe gelegt, Nabelentzündung praktisch vorprogrammiert und die Eltern machen sich aus dem Staub, weil eh ausreichend Engel da sind, da kann man doch schnell mal auf einen Absacker nach Bethlehem rein schau‘n. Engel, denkste, die hat Frau Davis auch wegrationalisiert. Nur Ochs und Esel und der kleine Terrorist mit seiner scheppernden Blechtrommel, die dann später Günter Grass seinem Hauptdarsteller besorgte, um den Trommelterror neu aufleben zu lassen. Das passt auch so richtig in den heutigen Advent, der uns zunehmend amerikanisiert mit glühweinsüßen „Jinglebells“ und „dreaming of a white Christmas“ auf die Geburt des Christkinds vorbereitet, als ginge es auch nur ansatzweise um die Geschichte aus Bethlehem.

Denn wenn es so war, wie geschrieben steht, dann wird es wohl höchstens eine Kerze gewesen sein, die ihr sanftes Licht auf die Menschwerdung Gottes warf und die Hirten, ziemlich ahnungslos über die Bedeutung dieser Geburt, staunten einfach über das neue Leben und verpassten dem kleinen Psychopaten mit seiner Trommel garantiert nach dem ersten „Ram ta ta ta tam“ eine saftige Watschn, dass die Trommel im weiten Bogen davonflog.

Aber kann man die Zeit zurückdrehen? Kann man den Advent herabdimmen auf ein erträgliches, sprich vernünftiges Maß? Jetzt nicht, denn dass wir so leben können wie wir leben, verdanken wir zum Großteil der Wirtschaft und die braucht den Advent als umsatzstärkste Zeit des Jahres und sie braucht vor allem die „Heiligen Drei Könige“, die mit ihren Geschenken den Weihnachtskaufrausch auslösten. Auch die Glühwein- und Bratwurststände, die Lichtüberflutung und den pappsüßen Adventklangteppich. Man kann sich schon aufregen drüber, aber man muss sich auch im Klaren sein, dass der Mensch halt so angelegt ist und lieber im Überfluss lebt. Zum Glück kommt Weihnachten und damit endet die verrückteste Zeit des Jahres und es wird endlich staad.

Tausende illegal eingereist

Transitländer weisen jegliche Schuld zurück

An Heiligdreikönig wurden in fast allen bayerischen Pfarreien große Migrantengruppen beobachtet. Wie sie unbemerkt ins Land kommen konnten, darüber rätseln die Grenzschutzorgane. Aufgrund der gewaltigen Anzahl kommt eigentlich nur die Balkanroute in Betracht, so die Sprecherin des Innenministeriums. Dass sie den Grenzzaun zu Ungarn unbemerkt überwinden konnten, bringt den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban in arge Bedrängnis. Augenzeugen zu Folge waren die Migranten ausnahmslos auffallend teuer gekleidet, deshalb vermutet das Innenministerium, dass die Grenzzäune auf der Fluchtroute mit viel Geld geöffnet wurden. Auf mögliche Korruption angesprochen reagierte Orban empört und wies jeden Verdacht zurück. Ebenso verwahrte sich Österreichs Kanzler Kurz vor Schuldzuweisungen. Der Hautfarbe nach zu urteilen kommt ein drittel der Migranten aus Afrika oder Südindien, zwei drittel scheinen aus dem Orient oder Asien zu kommen. Durchwegs also sichere Herkunftsländer, weshalb ein Bleiberecht relativ ausgeschlossen ist. So die erste Reaktion einer Sondersitzung im Innenministerium. Angeblich waren ausnahmslos alle Migranten auf der Suche nach einem Kind. Sie hatten sogar großzügige Geschenke aus ihrer Heimat für dieses Kind mitgebracht. Eventuell steht diese Aktion in Zusammenhang mit der Diskussion um die viertausend Kinder auf Lesbos, die kurz vor Weihnachten nach Deutschland geholt werden sollten. Was jedoch von den christlichen Parteien sofort und mit größter Empörung abgelehnt wurde. In die übliche große Ratlosigkeit der Politik platzte gegen Mittag des Dreikönigstages die Nachricht, dass die Migranten so schnell und spurlos verschwunden waren, wie sie kamen. Große Bestürzung löste die Feststellung aus, dass in sämtlichen Pfarreien die Christkindl verschwunden sind. Naheliegend scheint, dass die Christkindl von den Migranten entführt wurden. Da sämtliche Christkindl orientalische Reisedokumente hatten, ist die deutsche Polizei machtlos, vor allem, wenn die Migranten - wie es scheint - bereits außer Landes sind. Offensichtlich erhielten alle Pfarreien von den Migranten Schweigegelder in Form von Gold, Weihrauch und Myrrhe in beträchtlicher Menge, damit sie den Vorfall vor den Ordnungskräften geheim halten. Ob dies einen Straftatbestand darstellt, muss von der Bundesanwaltschaft geklärt werden. Das Finanzministerium hat sich bereits zu Wort gemeldet, wonach diese Zuwendungen auf jeden Fall der Körperschaftsbesteuerung unterliegen. Bei der Myrrhe muss außerdem geklärt werden, ob sie den deutschen Arzneimittelvorschriften genügt.