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Hinterfotzing

Atomenergie oder regenerative?

Was man wissen sollte

Klar: Ohne Strom geht nix! Dabei wurden viele Orte erst in den 50er und frühen 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit Strom versorgt. Wie ging das ohne Strom? Nun, da gab es Petroleumlampen für Licht und Schnee für Kälte. War das Schwein im Dezember geschlachtet, landete ein Teil des Fleisches im Surfass und anschließend in der Selch, und ein anderer Teil wurde an einem schattigen Platz hinter dem Haus im Schnee vergraben. Das ging nicht immer gut und die mittlerweile von der EU genehmigten Mehlwürmer schwammen nicht selten als Proteinbeigabe in der Fleischsuppe. Aber schon damals gab es Visionäre, die sich über diese Beilagen freuten. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Heute ist die Gefriertruhe zur längeren Aufbewahrung unverzichtbar, aber die braucht Strom und den muss man bezahlen. Und auch die Glühbirne braucht Strom, selbst wenn sie mittlerweile durch eine LED-Version ersetzt wurde.

Ähnlich ist es in der Industrie, da geht ohne Strom so gut wie gar nichts mehr. Der Strom ist heute ein wesentlicher Kostenfaktor. Der Produzent mit dem billigsten Strom hat also einen enormen Wettbewerbsvorteil. Von daher ist es schon erstaunlich, dass ein Land wie Bayern nach wie vor der Atomenergie das Wort redet und der Ministerpräsident sogar bayerische Kernfusionsforschung in Erwägung zieht. Ein gängiger Witz der Kernfusionsforscher ist, dass man in dreißig Jahren nur mehr 30 Jahre vom Durchbruch entfernt sein wird. Aktuell wird im ITER (Frankreich) ein neuer Fusionstestreaktor gebaut, es ist schon der zweite Versuch, ein europäisches Projekt und man ist einigermaßen zuversichtlich, dass es in 30 Jahren klappen könnte. In 30 Jahren und wer weiß wie vielen Milliarden Euro. Aber in dreißig Jahren müssen wir die Energiewende längst geschafft haben, sonst brauchen wir sie nicht mehr.

Atomenergie kostet pro KWh 35 Cent. Windstrom kostet offshore 8 Cent, onshore 6 Cent und Sonnenenergie 8 - 9 Cent. Wer also seinen Energiebedarf mit Wind- oder Sonnenenergie decken kann, hat einen enormen Preisvorteil. Aber Wind und Sonne sind wechselhaft, deshalb müssen Puffer her. In der Gemeinde Untergriesbach soll ein Pumpspeicher errichtet werden. Da wird also mit Überstrom Wasser aus der Donau hochgepumpt und bei Strombedarf durch eine Turbine abgelassen. Soll sehr effektiv sein, lässt man die enormen Baukosten außer acht. 

Schon seit Jahren ist ein Professor Dr. Michael Sterner, ein gebürtiger Passauer mit der Idee Power-to-Gas unterwegs, also Strom in Kohlenwasserstoff umzuwandeln. Quasi einen flüssigen oder gasförmigen Energieträger. Zugegeben ist das nicht so effektiv, wie Wasser in einen Pumpspeicher hoch zu pumpen und bei Bedarf wieder abzulassen, aber nur wenn man die Investitionskosten und ökologischen Auswirkungen ausklammert. Tatsächlich wäre Sterners Idee sofort und wesentlich schneller umsetzbar. Aber da verdienen halt zu wenige dran, das muss man leider zugeben. Denn ein Bauprojekt wie ein Pumpspeicherkraftwerk, das hat schon anderes Potential. Fragt sich nur, für wen.

Dass wir ausreichend Wind und Sonne haben, das steht außer Zweifel. Und dass ökologisch und vor allem klimatechnisch betrachtet Wind- und Solarkraftwerke um ein Vielfaches unproblematischer sind, liegt auf der Hand. Wenn also die Stromversorgung aus Wind und Sonne sowohl günstiger, als auch klimaverträglicher ist, warum tun wir uns so verdammt schwer damit, das endlich umzusetzen? Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass in Bayern nur Idioten am Werk sind, auch wenn es verdammt danach aussieht.

Künstliche Intelligenz

Oder das Maschinenzeitalter

Zwei Zahlen, die eine 1.594.372, die andere 2.654.958. Welche ist größer? Die zweite natürlich. Etwas schwieriger wird es, wenn wir 1594372 mit 2654958 vergleichen. Da müssen wir schon die Stellen abzählen. Das braucht der Computer nicht, der kann die zwei Zahlen sofort vergleichen. Ist das künstliche Intelligenz? Nein, natürlich nicht. Wenn ein Logistikprogramm Transportabläufe optimiert, eine Fertigungssteuerung Produktionsabläufe, ein Verkehrsleitsystem unseren Straßenverkehr entstaut, dann ist das alles keine künstliche Intelligenz. Trotzdem wird der Begriff gerne dafür verwendet, weil man meint, wenn ein Programm sich selbst optimieren kann, dann ist das schon künstliche Intelligenz. Aber all das sind nur Algorithmen, die Input verarbeiten und daraus die gewünschten und optimierten Ergebnisse liefern. Die Programme selbst optimieren sich nicht.

In den Nachrichten wird die optimierte Versorgung von Einzelhändlern als künstliche Intelligenz angepriesen. Dabei könnte man das auch mit Taschenrechner auf Papier bewerkstelligen. Es würde halt verdammt viel Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, die der Computer beschleunigt. Aber das Ergebnis ist tatsächlich kein anderes. Wie viele Möglichkeiten hat ein Schachspieler für seinen nächsten Zug. Es sind maximal 16. Also rechnet man durch, welcher Zug die meisten Vorteile bietet und ist ruckzuck schachmatt. Denn die nächsten 16 Möglichkeiten genügen nicht, sondern man muss die sich daraus resultierenden Möglichkeiten für die folgenden Züge unter Berücksichtigung aller möglichen gegnerischen Züge einrechnen. Also gilt es 16Züge zu kalkulieren. Je nach Größe von x kann das dann schon zu einer Mammutaufgabe wachsen, aber es hat nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun. Denn Intelligenz ist schon weitaus mehr, als Möglichkeiten und Chancen miteinander mathematisch zu vergleichen. Intelligenz beinhaltet Kreativität und ist vor allem in der Lage neues hervorzubringen. Künstliche Intelligenz (KI) müsste also nicht nur auf möglichst großes Wissen zurückgreifen können, sondern in der Lage sein, daraus neue Schlüsse zu ziehen.

Angenommen, es ginge darum, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Da müsste die KI alle Fakten kennen, dazu die Geschichte aller Protagonisten, ihre Optionen, ihre wahrscheinlichen Reaktionen auf unterschiedliche Aktionen. Die roten Linien, das Gefährdungspotential. Die KI müsste also ein Schachspiel auf die ganze Welt übertragen und alle Faktoren einbeziehen. Was passiert, wenn ein bestimmter Rohstoff nicht von A nach B kommt? Wie wird sich das auf die Produktion auswirken. Welche Alternativen muss man in Erwägung ziehen. Wie ist die Wetterlage in vier Wochen? Wie reagiert Protagonist XY in Stresssituationen. Es müsste ein Programm sein, das ALLE Faktoren kennt und menschliches Verhalten voraussehen kann und zwar aufgrund der jeweiligen persönlichen Geschichte und der Gemütsverfassung.

Früher nannte man diese KI Gott und man glaubte fest an sie. Das Problem einer solchen KI wäre natürlich, dass sie sogar der Menschheit in ihrer Gesamtheit überlegen wäre und sich dann tatsächlich weiterentwickeln würde. Vielleicht wäre diese KI sogar in der Lage, Maschinen zu bauen und Fertigungsstätten für neue Maschinen, dann würde das Maschinenzeitarlter anbrechen. Ist ja alles schon verfilmt worden. Vielleicht würde uns diese KI hindern, das Klima weiter aufzuheizen und keinen Sinn darin sehen, warum Mensch Dinge machen kann, die Lebensgrundlagen vernichten. Freilich könnte diese KI auch auf den Trichter kommen, dass der Mensch mehr schadet als nützt. Aber davon sind wir noch sehr, sehr weit entfernt. Aktuell können wir gar keine KI programmieren. Zumindest keine, die diese Bezeichnung verdient. Also müssen wir uns weiterhin mit der MI, also der menschlichen Intelligenz begnügen, so unzulänglich sie auch ist.

Wie dumm muss man sein, den Mars besiedeln zu wollen, wenn die Erde nicht mehr bewohnbar ist? Wäre es nicht viel einfacher, die Erde bewohnbar zu erhalten? Aber wir haben da ein großes Problem, das heißt Wirtschaftswachstum. Alles ist auf Wachstum ausgerichtet und Wachstum ist auf einer Kugel halt begrenzt. Hätten wir die Welt KI schon, würde sie uns sicher dazu raten, die Welt lebenswert zu erhalten und sie würde uns vielleicht ein Wirtschaftssystem entwickeln, das auf Erhalt und nicht auf Zerstörung aus ist. Immerhin sind es verdammt wenig Menschen, die extrem zu viel daran verdienen, die letzten Ressourcen auszubeuten. Da aber diese verdammt wenigen Menschen durch ihr extrem hohes Vermögen trotz Demokratie mehr Einfluss haben, als die unzählig vielen normalen Menschen, können sie ihren Reibach fortsetzen, bis die Erde brennt und dann auf den Mars übersiedeln. Wäre es da nicht besser, diese Menschen in die erste verfügbare Rakete zum Mars zu setzen? Man könnte ihnen ja als Lockmittel das Eigentum am Mars überschreiben. Und wenn tatsächlich schon Marsmenschen da sind, dann läuft das halt wie mit den Indianern. 

Dekadenzgipfel

Zeit für mehr Bescheidenheit

Ja, wir sind ganz schön dekadent geworden und dann steigen plötzlich die Preise für nahezu alles und auch die Löhne steigen, die Renten weniger. Und alles soll der Staat auffangen. Aber mal ehrlich: Der Staat, das sind doch wir selber. Folglich kommt der Zuschuss zur neuen Heizung aus meinem eigenen Geldbeutel. Freilich, das nennt man steuerliche Umverteilung, damit man es nicht merkt. Deshalb haben wir ja auch eine Steuerprogression, dass die Reicheren mehr in den gemeinsamen Topf zahlen müssen.

Zuschuss für Leben

Eine neue Heizung muss natürlich bezuschusst werden, das darf man doch erwarten, wenn schon ein Verbot für die vielbeliebte Öl- und Gasheizung ausgesprochen wird. Große Aufregung wegen des Verbots für Öl- und Gasheizung, obwohl heute vermutlich keiner mehr eine neue Fossilbrennstoffheizung einbauen würde, aber scheinbar können wir uns auch über Verbote von Unsinn aufregen. Ein Zuschuss muss her, denn Heizungen sind teurer geworden und wir heizen heute ja auch viel mehr und viel wärmer. Die ganze Wohnung, das ganze Haus und nicht mehr nur das warme Stübchen. Unsere Standards sind in den Himmel gewachsen. Hausbau ist auch ohne Inflation viel teurer geworden, also braucht man einen Zuschuss. Zum Beispiel für eine bessere Isolierung und natürlich für die Heizung. Dann eine bezuschusste Wallbox in der Doppelgarage, damit der umweltfreundliche Zweitwagen daheim geladen werden kann, am besten mit Strom aus der eigenen und natürlich bezuschussten PV-Anlage. Ja, wir sind eine Zuschussgesellschaft geworden, die sich zuschussfreies Leben nicht mehr leisten kann. Wenn die Zuschüsse nicht aus dem Steuersäckel entnommen werden, dann machen wir halt Schulden für unsere Kinder. Sondervermögen nennen wir das, obwohl es kein Vermögen ist, sondern ein Kredit.

Leben zu teuer

In den Städten wird bezahlbarer Wohnraum knapp. Das liegt auch daran, dass der Staat sozialen Wohnraum den Konzernen in den Rachen schmiss, weil er mehr Geld brauchte, als die Steuern her gaben. Verscherbeltes Tafelsilber. Freilich gab es da auch jede Menge politische Fehler, aber die gibt es immer. Es sind meist nicht die intelligentesten Menschen, die in die Politik gehen. Das zieht sich durch bis ins Verkehrsministerium. Freilich gibt es auch Idealisten und Weltverbesserer, aber auch die werden insistent an die Futtertöpfe der Wirtschaft heran gelockt. In den letzten Wochen fand man ganzseitige Anzeigen, die für Gürtelroseimpfung warben. Sehr gut gemacht, sehr fürsorglich aufgebaut. Gürtelrose ist mittlerweile keine schlimme Krankheit mehr und kann gut und schnell behandelt werden. Im Grunde braucht niemand eine Gürtelrosenimpfung. Warum also diese Impfwerbekampagne? Klar: Der Impfstoff! Doch die Anzeige wird nicht von den Impfstoffherstellern geschaltet, das wäre zu plump. Dafür bezahlt eine Firma in München. Aber man muss kein Genie sein, um zu erraten, wer diese Firma bezahlt. So versucht die Wirtschaft an allen Enden und Ecken ein Stück des Kuchens zu erhaschen und der Kuchen wird ständig kleiner. Was ich für Impfung ausgebe, habe ich nicht mehr für Wohnung. Was ich für Handy ausgebe, fehlt für Wohnung und Wohnung wird teurer, weil auch der Immobilienmarkt immer mehr will. Es geht ums Geschäft, um fressen und gefressen werden. Ständig umkreisen uns Haie und schnappen, was sie bekommen können.

Egoshooting

Und dann ist da auch noch unser eigenes Ego, das uns dazu zwingt, Dinge, die wir nicht brauchen für Geld zu kaufen, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen. Hauptsache, das Spiegelbild gibt mehr her, als der Mensch davor. Der Urlaub auf Mallorca ist längst kein Egoshooter mehr, da muss schon vorzeigbareres her. Ein Ausflug in die Schwerelosigkeit mit SpaceX ist wohl aktuell die verrückteste Variante. Ver-rückt, ja, das ist es. Wir haben vieles, zu vieles ver-rückt. Ein Haus genügt nicht, es muss schon toskanisch ausschauen und einen Pool davor. Natürlich wissen wir, dass Wasser eine kostbare Ressource ist, aber gemessen am Gesamtproblem ändert der ganzjährig beheizter Außenpool nichts, also so gut wie nichts und ehrlich gesagt auch die Kreuzfahrt mit einem schwerölbetriebenen Ozeanriesen leistet man sich doch nur einmal im Leben. Geht aber nur, weil sich ca. 99% der Menschen das nicht leisten. Immerhin haben Fotos vom Wale-watching in der WhatsApp-Gruppe enormes Neidpotential, das allein ist es schon wert. Freilich geht es auch darum, die Wale noch mal zu sehen, bevor sie aussterben. Oder der Eisberg! Einfach fantastisch, wie der Oceangigaliner elegant und gruselig knapp daran vorbei zieht. Kann man dann noch einem Eisbären beim Schwimmen zur geschmolzenen nächsten Eisscholle aus sicherer Position zuschauen, dann fühlt man die Überlegenheit der Menschheit.

Jedermanns Ohnmacht

Jedermann, der entschuldigend darauf verweist, dass er am Gesamtproblem nichts ändern kann, kennt also das Gesamtproblem und dass es eine Summe von Einzelprobleme ist, zu denen auch Jedermann gehört. Es ist nicht die Ohnmacht, der man erliegt. Nein, es ist der Egoismus, der die angebliche Ohnmacht vorschiebt, um die Nutzlosigkeit der eigenen Geltungs- und Genusssucht zu vertuschen. Die Welt profitiert nicht vom Wale-watching des kreuzfahrenden Egomanen. Jedermann kommt ja nicht mal in die unteren Decks, wo Philippinos für Hungerlöhne seinen Snobismus umsorgen. Macht es wirklich einen Unterschied, ob man sich Wale auf dem Display des auf den Wal gerichteten Handys anschaut oder eine gute Waldoku auf dem heimischen Fernseher, für den noch 11 Monatsraten zu bezahlen sind? Das ist auch so eine nette Erfindung der Wirtschaft, dass wir auf Pump leben können. Das Auto, der Urlaub, das Haus, das iPhone, alles mit Geld bezahlt, das wir morgen verdienen wollen. Und dann kommt der Stress.

Instabil

Auf einmal wird das System instabil und Träume platzen. Der Hauskredit kann nicht mehr bedient werden, der Monster-TV ist weg, vom Gerichtsvollzieher freundlich aber bestimmt beschlagnahmt. Das auf Kante genähte Leben gerät ins Wanken. Keine Reserven vorhanden. In der guten Zeit nichts für schlechte Zeiten zurückgelegt. Dabei beweist der Blick in die Geschichtsbücher, dass es immer Aufs und Abs gab. Doch die Wirtschaft überzeugte uns, dass wir ab sofort in einer ewigen Hochkonjunktur leben werden und uns mit wenig Arbeit viel leisten können. Warum also den Luxus nicht ein bisschen vorziehen? Tja, die Wirtschaft hat gelogen und alle, die ihr geglaubt hatten, müssen nun für ihre Gutgläubigkeit und natürlich auch für ihre überzogene Selbstsucht bezahlen. Das wird weh tun, manchmal sehr weh. Aber das geht vorbei und dann kann man daraus Schlüsse ziehen und lernen. Dass man mit weniger vielleicht sogar glücklicher ist. Dass man mit einem Kleinwagen ebenso weit kommt, als mit dem SUV, der sowieso noch nie Gelände unter den breiten Reifen hatte. Dass die Diagonale eines Bildschirms mit dem Abstand des Betrachters zu- oder abnimmt. Dass die Weltreise nur Erinnerungen hinterlässt und die Mücken am Nordkap eine Katastrophe waren.

Verzicht als Luxus

Die entspannteste Art zu Reisen ist das Wandern, mit nichts als einem Rucksack, in dem sich alles befindet, was man für die Reise braucht. Je weniger man braucht, umso freier ist man. Je weniger im Rucksack liegt, umso leichter ist er, umso weniger ist er eine Last. Unsere Rucksäcke sind groß geworden, viel zu groß. Höchste Zeit, sie zu entrümpeln. Sich von allem frei zu machen, das nur Last ist, das unser Leben nicht reicher macht, sondern zu viel davon beansprucht. Wenn Luxus zur Last wird, ist er kein Luxus mehr. Der wahre Luxus liegt darin, das Leben zu genießen. Lieber in einer 40m² Wohnung schuldenfrei zu wohnen, als in einer 100m² Wohnung mit finanziellen Sorgen. Sich über das zu freuen, was man hat und nicht ständig das zu begehren, was das Ego haben will. Zu begreifen, dass das Ego unersättlich ist. Aber so leicht ist das nicht und es erfordert ein gesundes Selbstwertgefühl. Wäre es nicht viel vernünftiger, es gäbe ausreichend viele Autos, die wir uns bei Bedarf leihen könnten, als dass jeder Mensch sein eigenes Auto hat, das dann 99% seiner Lebenszeit ungenutzt herumsteht. Natürlich wäre es das, aber die Autokonzerne müssen möglichst viele Autos verkaufen und die Stromkonzerne möglichst viel Strom und die Hotels möglichst viele Übernachtungen und die Airlines möglichst viele Flüge. Dieses Mehr und Mehr kann aber auf einem Planeten mit unveränderbarem Durchmesser nicht lange funktionieren. Es stößt früher oder später an Grenzen, immer mehr Grenzen. Wäre es da nicht gescheiter, innerhalb vernünftiger Grenzen zu bleiben, als in wilder Besinnungslosigkeit das Gaspedal bis zum Bodenblech durchzudrücken? Im Idealfall gelangst du während einer Meditationsreise in ein fernes Meditationsland zur Einsicht, dass du mit deiner Reise keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen hast.

Epilog

Man kann nur hoffen, dass es die Evolution war, die uns so gemacht hat und nicht Gott, denn das würde ein schlechtes Licht auf Gott werfen. Andererseits hat die Evolution ansonsten immer für vernünftige Ergebnisse gesorgt. Sind wir also ein ziemlicher Fehler, der da der Evolution passiert ist? Haben wir genauso viel Intelligenz bekommen, dass wir in der Lage sind, alles zu zerstören, aber zu wenig, um es nicht zu tun? Ist letzteres der Fall, wird die Evolution nach unserem kurzen Gastspiel tief Durchatmen und in Zukunft vorsichtiger sein.

Lustig ist anders

Atomenergie kontra Windenergie

Der neue finnische Atomreaktor hatte 18 Jahre Bauzeit und kostete 11 Milliarden €. Er hat eine Leistung von 1,6 Gigawatt. Das macht also 6.875 € je KW. Bei einer Windkraftanlage kostet das Kilowatt 600 - 800 €. Jedoch sind beim Atomreaktor die Endlagerkosten nicht eingerechnet. Trotzdem stolz, dass die Technik für ein Atomkilowatt 10x soviel kostet wie für ein Windkilowatt. Ein Schelm, der denkt, da wären andere Kräfte im Spiel, als die Vernunft. Ach ja: Ein AKW kostet auch im laufenden Betrieb deutlich mehr. In Ohu arbeiten 300 Menschen. Dann müssen regelmäßig neue Brennstäbe gekauft werden. Man darf aber nicht vergessen, dass auch bei einem Windkraftwerk dann und wann jemand nachschauen muss.

Windenergiekraftwerke kosten 1/10

Das wird schon interessant, wenn deutscher Windstrom mit tschechischem Atomstrom in Konkurrenz tritt. Immerhin wird der Strom an der Strombörse gehandelt. Da müsste es also schon ziemlich knapp werden, dass jemand auf Atomstrom zurückgreift, oder man hat keine Wahl. Wird spannend, wie sich die Geschäfte von ČEZ entwickeln. Ein etwas schlimmeres Bild ergibt sich in Frankreich. Das wird dort wohl nichts mehr mit den geplanten AKWs, da hilft auch der grüne Anstrich nicht viel. Frankreich hat keine Uranvorkommen, ist in Sachen Energie also vollkommen abhängig. Aktuell liefert Deutschland viel Strom nach Frankreich, weil dort zahlreiche AKWs abgeschaltet wurden, teils wegen Mängeln, teils wegen fehlendem Kühlwasser.

Laufzeitverlängerung ein Schmierentheater

Am 15. April 2023 wurden in Deutschland die letzten drei Atommeiler abgeschaltet. Vorausgegangen war eine hitzige Debatte. Schaut man sich aber den sogenannten Streckbetrieb an, so muss man feststellen, dass die 3 1/2-monatige Verlängerung nichts anderes war als Polittheater. Die drei Reaktoren liefen ab Dezember 2022 nur mehr mit 30% Leistung. Folglich hätte man bei Vollbetrieb die gleiche Menge bis Ende 2022 produzieren können und dann wäre Schluss gewesen. Man hätte dadurch im Dezember weniger Gas und Kohle verbraucht. So verteilte sich das auf die 3 1/2 Monate. Die ganze Verlängerung war also nur ein politisches Schmierentheater der Atombefürworter.

Das ist wie der Widerstand gegen Tempo 130. Da glaubt die FDP, dass der finanzielle Schaden für ihr rasendes Klientel größer ist, als die Umweltschädigung. Doch der Klimawandel trifft uns alle und nicht nur die FDP-Rasergemeinde. Aus diesem Grund wäre es schon sehr sinnvoll, wenn nur mehr reiche Raser die FDP wählen und alle anderen ihr tunlichst den Rücken kehren.

Söder

Oder die Ignoranz der Realität

weg ist das atom ~ trotzdem da der strom
nur der olle söder ~ bleibt ein ganz ein blöder
weil ihm der arsch auf grundeis geht ~ dass der wähler nix versteht
drum prüfe, wer sich fünf jahr bindet ~ ob er nicht mit hirn was findet
grün ist nicht umsonst ~ die farb, mit der du weiter kommst

Wahlrechtsreform

Oder wie Demokratie halt so ist

Nein, das hätte sich die CSU beim besten Willen nicht vorstellen können, dass ihr die 5% Hürde einmal in Sichtweite kommt. Aber so ist das halt mit der Gottgleichheit, wenn man auf einmal feststellen muss, dass man sich das immer nur eingebildet hat. Immerhin hat es Zeiten gegeben, da wurde bayerische Staatspolitik in Wildbad Kreuth gemacht und nicht im Maximilianeum, dort wurden die Kreuther Beschlüsse lediglich ausgeführt.

Freilich war das dem Rest der Bundesrepublik immer schon ein Dorn im Auge, dass da eine Regionalpartei bei Bundesangelegenheiten mitmischen darf. Und in der Tat hatten die gewählten Bundesbayernvertreter nicht viel mit dem Rest der Bundesrepublik am Hut. Bayern war wichtig. Und in Bayern wurde sie gewählt, diese CSU. Sie hatte die absolute Bierzelthoheit und dazu den bayerischen Defiliermarsch annektiert.

Hier in Hinterfotzing wurden Abgeordnete anderer Parteien grundsätzlich nicht im Rathaus empfangen. Für derlei "Gschwerl" und Ungläubige hatte man kategorisch keine Zeit. Sprach ein Hinterfotzinger Bürgermeister von den Wahlkreisabgeordneten, war klar dass er damit ausschließlich die CSU-Abgeordneten meinte. Die CSU war alles und ohne CSU war alles nichts.

Nun haben sich die Zeiten geändert und die CSU ist in Berlin ministerlos. Wobei Berlin darunter nicht besonders zu leiden scheint. Bedenkt man, wie lange Peter Ramsauer, Alexander Dobrinth und Andreas Scheuer dafür brauchten, an der Autobahnmaut grandios zu scheitern. Letzterer unterzeichnete trotz Warnsignalen aus Brüssel noch millionenschwere Verträge. Aber keine Sorge, keiner der drei Verkehrs-Dilettanten wird dafür zur Rechenschaft gezogen. Sie taten ja alles, was von ihnen erwartet wurde, nämlich möglichst viel Geld nach Bayern abzuzweigen. 

War es schon eine unerträgliche Schmach, in Bayern einen Koalitionspartner zu brauchen, zunächst mit der homöopathischen FDP und nach kurzem absolutistischem Strohfeuer mit der Aiwangerpartei, die sich selbst als Fleisch vom Fleische sieht, so zieht mit der Wahlrechtsreform nun eine existenzbedrohende Gewitterfront auf. Jetzt rächt es sich auf einmal, die - unbedingt notwendige - Wahlrechtsreform jahrelang torpediert zu haben. Lieber nötigte man der Bundesrepublik ein aufgeblähtes Parlament auf, Hauptsache möglichst viele CSUler sitzen drin. Und als die Zweitstimmen immer weniger wurden, die Erststimmenkandidaten jedoch weiterhin gewannen, wenngleich nicht mehr so überzeugend, wurden Überhangmandate geschaffen, die zu Ausgleichsmandaten bei den anderen Parteien führten. Ohne Wahlrechtsreform wäre der Bundestag weiter angewachsen.

Und nun wundert sich die CSU, dass sich die Ampelregierung erdreistet, das Wahlrecht nicht an den Wünschen der CSU auszurichten. Tja, liebe CSU, da hättet ihr halt früher handeln müssen, als ihr noch dran ward. So kann es euch passieren, dass ihr in Berlin nicht mehr gebraucht werdet. Solltet ihr also eine Fusion mit der CDU anstreben? Immerhin ist ja das "S" bei euch auch nicht nennenswert ausgeprägt, gut, das "D" auch nicht. Oder solltet ihr euren Wählern bei Bundestagswahlen empfehlen, SPD oder Grüne zu wählen, damit Bayern weiterhin stark in Berlin vertreten ist? Aber das geht euch vermutlich zu weit. Lieber scheitert ihr an den 5 Prozent.

Keine Sorge! Bayern wird euch überleben. Ihr habt das Land lange genug strapaziert, die Energiewende verschlafen und auch beim Natur- und Umweltschutz Spezlwirtschaft vor Recht ergehen lassen. Euer Korruptionspotential konntet ihr bei den diversen Maskenaffären eindrucksvoll unter Beweis stellen. Selbst der Aschermittwoch ist nur mehr ein Kasperltheater, bei dem ihr euch nicht mehr auf die Schultern klopft, sondern mit möglichst groben Knüppeln auf die Bundesregierung eindrescht, die sich nach Kräften bemüht, die Baustellen eures Dilettantismus abzuarbeiten. Immerhin hat die Passauer Stadtkapelle ihre Konsequenz gezogen und euch beim Einmarsch in die Dreiländerhalle einen anderen Marsch geblasen. Frei nach Max Streibl kann man euch getrost zurufen: "Adios Amigos!"

Bürgermeister

Ein Definitionsversuch

Und siehst du: Die wenigsten wissen, worauf es eigentlich ankommt, welche Eigenschaften ein Bürgermeister mitbringen soll, wenn sie ihr Kreuz hinter der gefälligsten Lätschn machen. Freilich: Die gefälligste Lätschn gehört in der Regel der Partei an, die man aus Tradition, immer schon gewählt hat. Wobei dieses Festhalten an der BDU meistens auch daher rührt, dass es so unheimlich schwer ist, sich einzugestehen, seit Jahren, vielleicht sogar seit jeher falsch gewählt zu haben. Lieber den Irrtum fortführen, um sich nicht mit der eigenen Schwerfälligkeit oder sogar Unzulänglichkeit auseinandersetzen zu müssen. Dabei gehört es zu den besten Eigenschaften des Menschseins, wenn man Irrtümer nicht nur erkennt, sondern auch eingesteht. 

Leider wissen auch die wenigsten Kandidaten, worauf es ankommt. Am häufigsten verbreitet scheint mir die Spezies, die meint, eine Gemeinde müsste bestmöglich verwaltet werden, aber denen sollte es irgendwann dämmern, dass genau das nicht ihr Aufgabe ist, denn dafür gibt es eine Gemeindeverwaltung. Und wenn man sich die Gemeinden mit einem Verwaltungsbürgermeister mal anschaut, dann stellt man rasch fest, dass da jahrelang nichts passiert. Manchmal geht es sogar abwärts. Und auch dafür haben die Verwaltungsbürgermeister ausreichend Ausflüchte parat. Dass es an ihnen lag und liegt, das gibt keiner zu.

Gerade in Hinterfotzing und den umliegenden Gemeinden sahen und sehen es die Bürgermeister als oberste Pflicht, die Parteilinie der BDU umzusetzen und die sah und sieht in erster Linie vor, dass die Direktkandidaten möglichst publik gemacht werden. Im einzelnen bedeutet das, die Herren Abgeordneten (mir ist keine einzige Dame bekannt) zu möglichst vielen Presseterminen ins Rathaus einzuladen, wenn der Freistaat wieder mal unser sauer verdientes Steuergeld in ein Projekt steckt, nachdem kein Hahn kräht. Und selbstverständlich wird das so inszeniert, dass man glauben könnte, das Geld käme aus der Privatschatulle des hochgewählten Herrn Abgeordneten.

Und das eine sage ich dir: Wenn einer aus dem Wahlkreis sogar nach Berlin kommt, dann kann die Pfeife noch so groß sein, sie wird hochgelobt und selbst dem größten Versager, der es sogar in ein Ministeramt geschafft hat, stärkt man den Rücken und wählt in wieder an die Spitze der Parteigremien. Denn die wichtigste Aufgabe des Mandatsträgers ist es, möglichst viel Geld nach Bayern zu befördern. Das ist die bayerische Antwort auf den Länderfinanzausgleich. Wer das nicht glaubt, der fahre einmal auf einer Bundesstraße von Hessen nach Bayern und er wird sofort begreifen. In Hessen ist die B0815 in Ordnung, in Bayern ist sie neu, nagelneu. Das ist doch in Ordnung, wirst du sagen, aber wenn sie die Bundesstraße, die du täglich befährst ständig sanieren, dann kann das schon auch lästig werden. Vor allem, wenn du die Sanierung als völlig unnötig betrachtest. Aber was weißt du schon über Sanierungsnotwendigkeiten.

Wenn also die BDU von oben herab entscheidet, dass deine Gemeinde eine Geldverbrennungsmaschine braucht, dann wirst du als parteitreuer Bürgermeister selbstverständlich alle Hebel in Bewegung setzen, möglichst schnell zu einer Geldverbrennungsmaschine zu kommen. Mit einigermaßen Sicherheit wird ein BDU-Politiker bei der Beschaffung seine Finger in Spiel haben, vielleicht sogar in Form einer aufgehaltenen Hand, das hat die Maskenaffaire recht schön gezeigt. Insofern ist es aus Sicht der BDU Obersten wünschenswert, dass in den Rathäuser möglichst phantasielose und parteitreue Verwaltungsbürgermeister sitzen. Von denen ist nichts zu befürchten.

Wenn nun bei einer Wahl der unzulängliche Wähler wie üblich das Hirn vor Betreten der Wahlkabine abschaltet, um seine Entscheidungsphlegmatik weiterleben zu können und wenn die BDU einen Verwaltungskandidaten zur Wahl stellt, dann ist das Schicksal der Gemeinde für weitere sechs Jahre wie ein Alpengletscher.

"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen", dieses berühmt gewordene Zitat wird Helmut Schmidt zugeschrieben. Was aber wäre die Menschheit ohne Visionen? Visionen sind die Triebfeder unseres Aufstiegs. Visionen zu haben ist vermutlich eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Bürgermeister haben sollte. Aber mit Visionen allein erreicht man nichts. Man muss sein Team davon überzeugen können und es wie ein Mannschaftskapitän führen und anspornen. Dazu gehört die Kunst, Menschen motivieren zu können, Begeisterung in die Mannschaft zu bringen, einen Teamgeist zu schaffen.

Leider findet man solche Menschen selten, sie wären so wichtig für unser Vorankommen. Viel häufiger stehen ehrgeizige Hähne auf den Stimmzetteln, denen der geschwollene Kamm wichtiger ist, als die Zukunft der Gemeinde. Und findet sich tatsächlich so ein wertvoller Mensch, der sich zur Kandidatur ermuntern lässt, dann sieht er sich schnell einem Hauen und Stechen ausgesetzt. Denn eines kann man der BDU nicht vorwerfen, dass sie nämlich an einem fairen Wahlkampf interessiert ist. Ziel der BDU ist der eigene Parteisoldat und mag er noch so ein Vollpfosten sein, denn Soldaten entscheiden nicht, sie werden befehligt.

Die neue Homepage

Dem Dreck a Fotzn gem

Sagen wir es mal so: Wenn ein Projekt grandios in die Hose geht und man eine zweite Chance bekommt, dann muss man schon ein grandioser Depp sein, wenn man diese Chance versemmelt. Aber im richtigen Leben passiert so was. Stell dir einmal vor, deine Gemeinde bekommt eine neue Homepage und dann stellt sich das ganze als Flop heraus. Freilich kann das passieren und da hilft dir auch keine Versicherung, nicht mal, wenn sie den Flop bezahlt hat.

Dass dann aber alle Beteiligten am Flop festhalten, weil man sich vertraglich zwei Jahre daran gebunden hat, das ist dann schon die erste grandiose Bankrotterklärung. Wenn man dann aber die zwei Jahre absitzt, rechtzeitig eine Neuauflage mit ausreichend Vorlauf planen kann und dann mit einer noch schlechteren Lösung daherkommt, dann muss allen klar sein, dass man vermutlich genau die Leute mit dem Relaunch beauftragt hat, die das erste Fiasko maßgeblich zu verantworten hatten. Und da frage ich mich schon, welche Narrenfreiheit in dieser Gemeinde herrschen muss.

Dass an diesem Doppelplumps eine namhafte Agentur beteiligt war, die so gar nicht für Doppelplumps bekannt ist, legt den Verdacht nahe, dass hier Agent DoppelNull aus dem Rathaus beteiligt war. Aber sollte es da nicht auch einen Gemeinderat geben? Sollte es, doch der zog es vor, DoppelNull einen Freibrief zu erteilen, wohlwissend dass DoppelNull auch Versemmelt 1 zu verantworten hat. Da fragt man sich dann schon: Warum Gemeinderat? Wie viel Versemmeln braucht es, bis Gemeinderat merkt, dass erneut versemmelt wurde? Aber DoppelNull brauch sich nicht zu sorgen. Keine Konsequenzen. Weiterhin volle Rückendeckung.

Da Versemmelt 2 viel Geld gekostet hat, wird man auf Versemmelt 3 ein bisschen warten müssen, aber es darf als sicher betrachtet werden, dass Versemmelt 3 kommt, denn DoppelNull darf weiter herumnullen und wird sicher Versemmelt 3 maßgeblich versemmeln. So darf sich die Gemeinde sicher bald darauf freuen, den Titel "Am Arsch der Welt" verliehen zu bekommen. Und ich bin mir fast sicher, sie werden sich sogar darüber freuen und das groß im Gemeindeblatt herausstellen. Und diese Tatsache macht den Titel erst richtig verdient.

 

Der TUI-Esel

Wie die Heilige Familie rechtzeitig aus Ägypten zurück kam

Es hat sich also ergeben, dass der Herodes das große Schlottern bekam, als zu Bethlehem ein Kind zur Welt kam. Die Verursacher dieses Schlotterns: drei Weise, die einem Stern gefolgt waren, der plötzlich kam und genau über Bethlehem stehen blieb. Das der Stern ein Komet war, dessen ist man sich heute ziemlich sicher und dass er nicht stehen blieb, ja, das weiß man eigentlich auch. Aber es macht halt so eine Geschichte gleich wundersamer, wenn man einen Kometen zum Stillstand bringt. Gut, die Amerikaner üben sich gerade an derlei Beeinflussung, wobei an Stillstand nicht zu denken ist. Aber lassen wir den Kometen stillstehen. Dass so ein Stillstand die Wissenschaft aus dem Häuschen bringen würde, das kann man sich gut vorstellen und dass Wissenschaftler aus aller Herren Länder sich darüber ihre Gedanken machen würden, davon ist auszugehen.

Der geostationäre Komet

Aber wie muss man sich das vorstellen, wenn ein Komet über Bethlehem stehen bleibt? Dann hätte er ja in eine geostationäre Umlaufbahn einschwenken müssen und mit Leuchten wäre es dann ziemlich vorbei. Vor allem wäre er dann heute noch dort. Wir sehen schon, das mit dem Stillstandskometen ist eine vertrackte Sache. Und warum überhaupt Bethlehem? Wegen der Volkszählung steht geschrieben. Jetzt waren die Römer ein sehr schreibeifriges Volk, alles wurde festgehalten, aber die Volkszählung haben sie vergessen. Laut Aufzeichnung der Römer gab es die nicht. Doch brauchte man sie unbedingt und man musste den Zimmerer Josef unbedingt von David abstammen lassen, damit der einen Grund hatte, nach Bethlehem zu reisen. Wobei das nun eigentlich völlig unsinnig war, denn wenn der Josef vom Stamme Davids ist, was muss er dann nach Bethlehem zu einer nicht stattfindenden Volkszählung, noch dazu mit einer hochschwangeren Frau und einem Kind, das nicht sein Kind sein soll.

Engel hilft Josef aus dem Schneider

Da es damals noch keine Gentests gab, musste Josef der Maria das einfach glauben, dass ihr ein höheres Wesen zur Schwangerschaft verholfen hatte. Immerhin sollte er soweit Herr seiner Sinne gewesen sein, dass er wusste dass er es nicht war. Und sollte er es mit einem Augenzwinkern hingenommen haben, dass ein Geistwesen ebenfalls Anspruch auf die Vaterschaft erhob, dann war er einigermaßen aus dem Schneider, denn vor der Ehe war und ist den Juden Sex verboten. Wie auch den Katholiken.

Aber warum musste das mit David sein? Na wegen der Überlieferung, weil die Juden im Alten Testament das so vorgeschrieben haben. Sie wollten damit verhindern, dass irgend ein Noname plötzlich mir nichts dir nichts als Messias daher kommt. Also sorgten sie alttestamentarisch vor und ließen nur Nachkommen Davids zu. Wer konnte denn ahnen, dass dieser Galiläer, den man vorsorglich hinrichten ließ, als man seiner in Jerusalem habhaft wurde, posthum zum großen Messias avancierte. Ein Galiläer vom Stamme Davids? So weit kommt's noch. Aber die Jünger waren fleißig am Konstruieren. Immerhin waren sie allesamt Juden und eine neue Religion stand nicht in ihrem Masterplan, also wurde rasch eine Abstammung konstruiert. Aber wie konnte Jesus von Josef abstammen, wenn es doch das Geistwesen war? Man muss dazu wissen, dass diese Theorie mit der himmlischen Befruchtung damals noch keine Anhänger hatte. Da war die Vaterschaft Josefs noch klare Sache. Es gab ja auch die Dreiteilung Gottes noch nicht und eine Welt ohne Dogmen. Folglich war die Verbindung zu David eine ausgemachte Wichtigkeit und die musste her.

Der Esel von TUI

Das wäre heute schwieriger, weil alles in Matrikelbüchern aufgezeichnet ist und sicher nicht mit geringem Fälschungsaufwand zu bewerkstelligen. Dass man dem Josef dann auch noch den beschwerlichen Marsch von Nazareth nach Bethlehem posthum auferlegte, wäre vermutlich nicht notwendig gewesen, es sei denn zur Untermauerung der Abstammungsgeschichte, aber dann hätte es die Volkszählung geben müssen. Eine ziemlich verzwickte Geschichte. Doch lassen wir den Josef mit seiner Frau den Mehrtagesmarsch durch die judäische Wüste unternommen haben und schrauben wir den Kometen für ein paar Tage am höchsten Schafstall von Bethlehem fest und sollen sich drei aus der großen Wissenschaftlerschar in Bethlehem das Kometenspektakel genauer angeschaut und dem König Herodes das Schlottern beigebracht haben, dass jener sofort eine ganze Kompanie Kindermörder nach Bethlehem geschickt hat. Und nehmen wir auch an, dass Josef über Traummail rechtzeitig davon erfahren hat, den zufällig anwesenden Esel mit Verlobter und Stiefsohn belud und eiligst durch die Wüste Sinai knapp 400km an den Nil floh und das auch noch überlebte. Aber wie konnte er am achten Tag nach der Geburt in Jerusalem zu Beschneidung sein? War der Esel von TUI?

Europäische Nüchternheit

Im Mittelalter war das Lesen der Bibel verboten und heute machen sich die wenigsten die Mühe und wenn, dann stolpern sie über dermaßen Ungereimtheiten, dass man es nur noch glauben kann, denn mit Tatsachen bringt man die Geschichte nicht in Einklang. Aber es ist halt so schön. Advent und Weihnachten. Die gemütlich dahin fliehende Heilige Familie unterm schützenden Sternenzelt der Wüstennacht. Freilich war Ägypten auch irgendwie wichtig, wegen der Sklavenschaft der Juden. Früher lauschte man solchen Geschichten aus dem Munde meisterhafter Geschichtenerzähler, die es verstanden, einfache Vorfälle zu wundersamen Erscheinungen in die Phantasie ihres Publikums zu zaubern. Wer konnte denn ahnen, dass irgendwann diese nüchternen Europäer daher kommen und die Geschichten entzaubern, oder noch schlimmer, alles wortwörtlich glauben? Und gerade in dieser Zeit, in diesem Advent ist doch der Weg nach Bethlehem so wichtig und der hell erleuchtete Stall und der weithin strahlende Komet und die Krippe, umringt von betenden Hirten, eingereiht, die Sterndeuter aus dem Osten, mit wertvollen Geschenken. Und niemandem, der fragt, ob denn Gold, Weihrauch und Myrrhe die Flucht nicht behinderten. Freilich, mit dem Gold konnte sich die Heilige Familie einer Karawane anschließen und mit dem Weihrauch den Kamelgestank vertreiben. Das sind aber Sorgen, denen sich die Heilige Familie höchstwahrscheinlich nicht stellen musste. Aber es ist doch herrlich, welch tolles Abenteuer die Geschichtenerzähler des Orients daraus machten und dass uns diese Geschichte immer noch verzaubert.

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