Hinterfotzing abonnieren

Wenn du über neue Artikel in Hinterfotzing per E-Mail informiert werden willst, dann brauchst du dich lediglich als Abonnent eintragen.

Du brauchst nur deine E-Mail-Adresse eingeben und auf "abonnieren" klicken.

Nach klick auf "abonnieren" bekommst du eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst nach Klick auf diesen Link bist du Abnonnent.

Jede Abo-Email enthält einen Link zum Abmelden des Abos.

Hinterfotzing

Goldregen

Wie man in leeren Löchern aus dem Vollen schöpft

Corona hat der Wirtschaft einen Schleifprügel umgehängt und in Deutschland wird der Pleitegeier in den Himmel prognostiziert. Dabei lief die Wirtschaft bis vor kurzem im Turbomodus. Personal war kaum zu kriegen und in manchen Bereichen konnte jeder Preis verlangt werden. Schon vor Corona wurde von Rezession gefaselt, dabei waren wir immer noch im höchsten Gang. Diese Woche schrieb ein Schlachthofdirektor, dass der Betrieb nur mit ausländischen Kräften aufrecht erhalten kann, weil die Deutschen nicht mehr metzgern wollen. Nun ja, habe ich mir gedacht, was wird er wohl verdienen, so ein ausgebildeter Metzgergeselle? Immerhin etwas unattraktive Arbeitszeiten, gefährliche und schwere Arbeit, da sollte er nicht unter dreitausend Euro brutto abgespeist werden. Aber da liege ich Welten daneben. Denn wenn es um Nahrung geht, ist die billigste Arbeitskraft zu teuer und Osteuropa sorgt für das günstige Schnitzel in der Fleischtheke. 

Wenn die verminderte Umsatzsteuer von 7% auf 5% runter geht, ändert das an der finanziellen Situation des Ostmetzgers vermutlich recht wenig. Genau so, wie kaum was von der Verminderung der Mehrwertsteuer beim Verbraucher ankommen wird. Aber die Politiker werden sich darauf berufen, dass es ihre hehre Absicht war. Ja wenn sie das gewesen wäre, dann hätten sie das Geld ja direkt an die Bürger auszahlen können und zwar nach dem Gießkannenprinzip, denn selbst wenn die Umsatzsteuerreduzierung komplett weitergegeben würde, profitierten die Betuchten am meisten davon.

Momentan werden die Milliarden aus bislang leer geglaubten Löchern geschöpft, dass man mit dem Staunen kaum nach kommt. Vor Kurzem noch war ein bedingungsloses Grundeinkommen unfinanzierbar. Aber im Vergleich zum aktuellen Goldregen wäre es ein Trinkgeld gewesen. Noch vor Kurzem pochte Deutschland auf die Einhaltung der schwarzen Null und auf Stabilitätskriterien und nun sind wir Schuldenweltmeister.

Wie viele Löcher kann man in einen Schiffsrumpf bohren, bis das Schiff sinkt? Wie viel Schulden kann man einem Staatswesen aufbürden, bis es zusammenbricht? Ist ja nicht so, dass es das noch nie gegeben hätte. Neu ist nur die Dimension und die weltweite Ausdehnung. Bei Monopoly gewinnt zum Schluss immer einer und alle anderen sind pleite. Alle anderen gehören dem einen Sieger. Wird also interessant, wie das Weltmonopoly endet und ob das nächste Spiel auf dem gleichen Brett und mit gleichen Bedingungen gestartet wird. 

Hubertomatik

Aiwangers Spezlrechnung

Weshalb jetzt der Hubsi bei seinem Beispiel ausgerechnet mit sechs Spezl in den Biergarten ausgerückt ist, das wird sich wohl in einer seiner spartanischen Gehirnwindungen so ergeben haben. Auf jeden Fall kam er damit im Ranking der Unverständlichkeiten Edmund Stoibers Transrapidansprache schon sehr nahe. Das wiederum legt den Verdacht nahe, dass Aiwangers Spezlmathematik ein Biergartenbesuch mit seinen sechs Spezln voraus ging. Zumindest wäre das ein nachvollziehbarer Erklärungsversuch. 

Warum nur fällt mir bei Aiwangers Reden in niederbayerischem Hochdeutsch immer die Volkshochschule in der nördlichen Oberpfalz ein? Nein, er nahm dort keinen Unterricht und das ist das absolut Seltsame. Vielleicht kann man diese guturale Ausdruckweise auch durch den Konsum von Oberpfälzer Sprach-CDs erlernen, während man mit der Saugülle über den Acker mäandert. Aber warum um alles in der Welt sollte man das tun? Andererseits hat der Aiwanger vor vielen Jahren und außerhalb jeder Wahlzeit für den Aiwanger plakatiert und die Freien Wähler haben erst mal nur dumm aus der Wäsche geschaut und gar nicht gemerkt, dass ihnen da einer die Freiheit wegnimmt. Also wäre die Aiwanger'sche Lautverschiebung durchaus im Bereich des Zutraubaren.

Wie der Aiwanger bei sechs Spezln mit Bezugsperson auf einen fünfzehn Meter langen Tisch kommt, ist eine weitere Untergründlichkeit in Aiwangers Spezialmathematik, die wohl einmal als Hubertomatik in die Geschichte eingehen wird.

 

Na endlich

Morgen ist Hinterfotzing in der Zeitung

Während die ganze Welt jede Menge mitzuteilen hat, scheint es in Hinterfotzing nichts Berichtenswertes zu geben. Tag für Tag keine Erwähnung im Lokalteil von Hirndübelpress. Manchmal wird ein uraltes Ding ausgegraben und dann groß und breit aufgemacht. Aber Neuigkeiten? Die suchst du lang. Doch morgen ist Samstag und da kommen die Jubilare und da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn in Hinterfotzing kein Jubilar ist.

Mittlerweile ist der Samstag in manchen Wochen der einzige Tag an dem Hinterfotzing in der Hirndübelpress erwähnt wird. Freilich, so prickelnd sind die Jubiläen auch nicht. Immerhin steht da auch nur "Sepp Glatzkopf 80, Hinterfotzing". Schon dürftig aber mehr gibt es halt nicht. Als regelmäßiger Zeitungsleser und Heimatpatriot bist du deshalb dafür schon froh. Immerhin rührt sich ja auf der Homepage von Hinterfotzing auch kaum was. Das Bannerbild kenne ich jetzt schon in- und auswendig und könnte dir aus dem Gedächtnis sagen, wie viele Strommasten da drauf sind. Vermutlich hat der Bildverantwortliche gemeint, dass es gut ist, wenn Strommasten drauf sind, weil dann der potentielle Gewerbeansiedler gleich sieht, dass es Strom gibt. Ansonsten zeigt die Ansicht sehr schön, wie sich Fuchs und Hase "gute Nacht" sagen.

Das muss man sich auch erst mal trauen. Die meisten kommunalen Webseiten treten ja auf, dass du meinst, dort ist der Nabel der Welt. Hinterfotzing hat das nicht nötig, denn es weiß genau, dass es von Nabel der Welt weit entfernt liegt. Also trägt man demonstrativ Bescheidenheit zur Schau. Das ist perfektes Understatement. Als Dilettantismus getarnte Zurückhaltung. Freilich eine Gratwanderung. Aber so lange man die Absicht dahinter erkennt, ist es ein absolut machbarer Weg und der lockt an, weil die offensichtlichen Lücken die Neugier wecken. Wir dürfen also weiterhin gespannt sein, wie sich die gezielte Informationslosigkeit auf die Zukunft Hinterfotzings auswirken wird.

Donnerwetter

Herrn Elvaus erste Schlappe

Zur Zeit wird bayernweit konstituiert was das Zeug hält. Natürlich geht es da vor allem um die Bürgermeisterstellvertreter, ja ist doch klar. Und jeder Bürgermeister sucht da seine Kandidaten in Stellung zu bringen. Damit das klappt muss die eigene Fraktion natürlich eingeschworen werden und genau da scheint dem Herrn Elvau ein ziemlicher Fehler unterlaufen zu sein, denn beide Stellvertreter standen mit Sicherheit nicht auf seiner Wunschliste, der Zweite schon überhaupt nicht und dass der Zweite dann auch noch mit fast 3/4-Mehrheit gewählt wurde, dürfte Herrn Elvau einigermaßen Kopfzerbrechen bereiten.

Dass muss einem ja schon bei rudimentären Kenntnissen des Zahlenraums von 0 bis 21 klar sein, dass ein Kandidat aus dem anderen Lager nicht 3/4 der Stimmen bekommen kann, wenn das eigene Lager über eine satte Mehrheit von knapp 3/4 verfügt. Jetzt wird er wohl grübeln, wo er sich verrechnet hat. Vermutlich bei den eigenen Gemeinderäten, also nicht denen seiner Listen, sondern denen seiner Listen, auf die er zählen kann. Und er wird sich wohl mit Vertretern abfinden müssen, von denen er nicht vertreten werden will. Vielleicht haben aber auch die Gemeinderäte, also die Unberechenbaren gedacht, dass man Herrn Elvau durchaus mal eine Grenzlinie ziehen kann, damit er weiß, wo seine Macht endet.

Gerüchten zufolge sitzt Herr Elvau seither in seinem Grübelzimmer mit aufgeklapptem Laptop und hunderten geöffneten Exceltabellen, wo er untermalt von monotonen Langzeitmonologen herauszufinden sucht, wie das passieren konnte. Dabei habe ich gleich gesagt: Ein Gemeinderat ist kein Feuerwehrangriffstrupp, sondern ein unberechenbares Gremium. Keine Ahnung welch flammende Empfehlungsreden er für seine Wunschkandidaten hielt, gezündet haben sie jedenfalls nicht. 

Und das sage ich dir: Wenn einer Bürgermeister werden will, dann ist es schon gut, wenn er ein guter Redner ist und außerdem sollte er ein guter Diplomat sein. Wobei ein guter Diplomat unbedingt ein guter Redner sein muss, während ein guter Redner kein guter Diplomat sein muss, wenn er nicht Bürgermeister werden will, sondern Festredner oder Prediger oder so was. Drum wundert's mich immer wieder, dass sich Leute um das Bürgermeisteramt bewerben, bei denen weder das eine noch das andere messbar vorhanden ist. Aber siehst du: Nicht die bewerben sich, die Bürgermeister können, sondern die, die Bürgermeister wollen und das ist leider ein gravierender Unterschied. Wenn das die Wähler erkennen, dann kann es noch mal gut ausgehen, aber mal ehrlich: die Wähler - völlig unberechenbar, teilweise sogar unbrauchbar.

Das große Erwachen

Was wir aus dem Shutdown lernen können

Der Mensch zieht aus allen Erfahrungen seine Schlüsse. Ein syrischer Philosoph sagte mir einmal: "Jede Begegnung verändert dich!" Ja, er hatte recht. Denn jede Begegnung, jedes Erlebnis verändert. Das fängt schon mit dem ersten Griff auf die heiße Herdplatte an. Dem Vertrauen und Misstrauen zu Menschen auf Basis der Erfahrung, die wir mit ihnen machen. Und unsere Entscheidungen basieren auf immer mehr Erfahrungen, also werden sie besser, zumindest theoretisch. Praktisch funkt uns der innere Schweinehund manchmal dazwischen.

Mit dem Coronashutdown konnten wir nun unheimlich viele neue Erfahrungen machen. Zum Beispiel wie wichtig eine eiserne Klopapierration ist und dass man heute keine Maske aufsetzen muss, morgen aber schon. Dass auf einmal kostenlose Busse möglich sind und vieles im Internet erledigt werden kann, was vorher unmöglich schien. Und wer hätte gedacht, dass wir ohne Billigflüge auskommen? Auf einmal sind Heimarbeitsplätze kein Problem und man kann sich auch bei wichtigen Dingen per Videokonferenz unterhalten, sogar auf internationaler Ebene. Die Menschen kochen wieder, wow! Und es scheint ihnen sogar zu gefallen. Man freut sich über die Erlaubnis zum grundlosen Hausverlassen. Die kleinen Dinge finden wieder Wertschätzung. Also nicht die ganz kleinen, diese Coronas. 

Könnte vielleicht sogar manches davon bleiben? Kostenloser ÖPNV? Weniger Flugbetrieb? Weniger Staus? Mehr Freude am Kleinen? Klopapier als Sicherheitsfaktor in Notzeiten? Das wäre freilich schön, doch lassen die angehäuften Erfahrungen eher vermuten, dass alles möglichst bald wieder in den Verrücktmodus hochschaltet und Ischgl sich bald wieder zum Mega-Party-Snowdome emporschwingt, wo die Gletscherehe wieder als eisfunkelndes Eventparadies angestrebt wird. 

Aber dann kommen auch die wichtigen Probleme wieder in den Fokus und die haben mit ausreichend Masken und Klopapier wenig zu tun. Das Klima, die Natur, das Artensterben, die Ausbeutung. Ja, das kommt dann auch alles wieder. Denn wenn wir wieder ins Turboleben hochschalten, dann geht's auch den Ressourcen wieder ordentlich und rücksichtslos ans Leder. Aber das ist halt der Mensch, er kann nicht anders. So wie der Frosch an der Zigarette zieht, bis es im den Luftsack zerreißt. Unser Luftsack heißt Atmosphäre, da werden wir wohl bald eine zweite brauchen.

Corona kontra Bienen

Wie Corona das Volksbegehren killt

Alles! Corona beherrscht alles. In den Medien nur mehr Corona, in der Politik nur mehr Corona. Deutschland im absoluten Ausnahmezustand. Man wollte die Ansteckungskurve abflachen und das hat man geschafft. Aber dann wäre es auch gut gewesen. Mittlerweile ist die Corona-Pandemie zur Corona-Hysterie mutiert und jegliches Gefühl für Maß und Ziel ging verloren. Nein! China hat Corona nicht in irgend einem Biowaffenlabor freigesetzt. Trotzdem ist Corona ein schönes Beispiel, wie man mit sehr geringen Mitteln sehr effektiv Krieg führen kann. Viren sind unsere ständigen Begleiter. Sie sind so alt wie das Leben. Sich den Viren entziehen zu wollen, dazu müssten wir von der Erde fliehen und selbst dann nähmen wir sie mit. Und mal ehrlich: Die Erde hätte allen Grund, uns zu dezimieren.Wir sind ja nicht nur sehr viele, sondern gebärden uns auch so, als gäbe es nur uns. 

Dabei waren wir auf einem guten Weg. Zugegeben: nicht freiwillig. Aber das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hat die konservative bayerische Politik in Bewegung versetzt. Aber nun scheint alles wieder beim Alten. So lange keiner klagt, wird sich daran auch nichts ändern. Corona geht vorbei und wo sind dann die Resultate der Annahme des Volksbegehrens? Ein paar Blühstreifen? Das kann es ja wohl nicht gewesen sein. Schlimm genug, dass die Düngeverordnung verschoben wurde. Im Herbst wurde nach der Vegetationsphase massiv Gülle ausgebracht, um die Gruben für den Winter zu leeren, was ist das für eine Logik? Weil man nicht ausreichend Stauraum hat, muss die Gülle raus, egal welche Folgen das hat. Egal, was im Grundwasser landet, in den Bächen und Flüssen.

Wenn aus ökonomischen Gründen Güllegruben am Minimalprinzip ausgerichtet werden, dann sind billige Lebensmittel die logische Konsequenz. Es wäre schon gut, wenn man bei Entscheidungen das Thema bis zum Schluss durchdiskutiert. Die Folgeschäden sind höher als die Einsparung, dazu muss man nur einen Blick auf die Felder werfen. Ja, vielleicht ist sie verzichtbar, die Lerche, die sich voller Lust erhebt. Vielleicht braucht man den Maulwurf nicht. Und das vom Mähwerk zerrissene Rehkitz hätte eh nur die Tannentriebe abgeknabbert. Doch was verändert sich, wenn der Maulwurf geht. Wie steht es um das Gleichgewicht, wenn Insekten verschwinden und Arten sterben? Sterben vielleicht auch systemrelevante Arten aus?

Keiner weiß das, aber wir riskieren es trotzdem des Profits wegen. Weil die Ökonomie uns keine Chance lässt. "Wachse oder weiche!" So lautete das Motto und die Gewachsenen müssen sich dem Diktat des Kapitals unterwerfen, sonst gehen sie unter. Alles also alternativlos. Die Zerstörung der Welt als Preis des ökonomischen Überlebens. Das kann nicht aufgehen. Also stellt sich nur die Frage, wie weit  sich die Spirale der Gewalt gegen die Natur hochschrauben muss, bis es kein Weiter mehr gibt und wie wir dann mit dem angerichteten Desaster weiterleben können und zu welchen Bedingungen. "Macht euch die Erde untertan!" Nicht mal im alten Rom ging man mit den Sklaven um, wie wir es mit der Erde tun.

Und warum?

Landwirtschaft 2.0

Das Turboerwachen der Agroindustrie

Die Landwirtschaft war von jeher nach Höhenlage zeitverschoben. Und wenn du aus einer höheren Lage in eine niedrigere reist, dann kommst du schnell in eine andere Agrozeitzone. So erlebte ich das am Donnerstag, als ich rund zweihundert Höhenmeter tiefer auf geballte Agropower traf. Dazu muss ich sagen, dass ich mit einem 28er Deutz aufgewachsen bin. Damals glaubte ich, dass dieser Bulldog Bäume umreißen könnte. Eine Überzeugung, die ich im Lauf der Zeit mit vielen anderen über Bord werfen musste. Später kam ein 40er Deutz und dann ein 60er mit Allrad. Als der 60er kurzfristig neben dem 28er stand, war das wie David und Goliath. Bis dahin hatten wir einen 200 Liter Dieseltank, der reichte sehr lange und dann kam der Esso-Mann. Wenn ich heute mit dem 60er in die Landmaschinenwerkstatt fahre, dann ist der 60er nun in die Rolle des David geschlüpft.

Neulich füllte ich in einer Landtanke das Auto auf. Das hat einen 45-Liter-Tank. An der Dieselsäule gegenüber tankte ein Bulldog, na ja, vielleicht ist Bulldog da nicht mehr der richtige Name. Agrarbolide wäre wohl passender. Ich zahlte knapp 50 €, der Agronom legte etwas mehr als 600 € auf den Tresen. "Na!" meinte ich, "das reicht aber jetzt für eine Woche!" "Nein", meinte der Agronom, "ich bin morgen Abend wieder da." Geht, weil es Dieselbeihilfe gibt. Geht, weil es für alles und jedes EU-Geld gibt. Und so steigt die Effektivität, so steigen die Erträge. So steigt das Angebot und wird zum Überangebot und dann kommt das große Wundern, warum die Preise fallen. Aber so funktioniert der freie Markt.

Bauern arbeiten oft sieben Tage in der Woche. Sie versuchen ihre Kosten immer noch durch Produktionssteigerung auszugleichen, aber das drückt die Preise noch weiter runter. Ein Teufelskreis, den scheinbar niemand durchbrechen kann. Aber das Spiel hat ein sichtbares Ende. Man kann Milch nicht zum Negativpreis verkaufen, wie das bei Öltermingeschäften zur Zeit passiert. Es sei denn Europageld gleicht das aus, aber Europageld ist Steuergeld. Da beißt sich die Katze also in den Schwanz. 

Bei meiner Reise schien der komplette Maschinenpark auf Achse. Mähtraktoren, die 10 Meter auf einmal niedermähen. Doppelschwader hinter Traktoren, die sich nicht scheuten, die Kurven zu schneiden und deutlich mehr als ihre Fahrbahnseite für sich beanspruchten. Abschiebewägen, die dem Braunkohletagebau zur Ehre gereichen. "Der pure Wahnsinn", so war mein Eindruck. Und ich erinnerte mich daran, dass wir noch vor kurzem einen schonenden und nachhaltigen Umgang mit der Natur forderten. Dass wir die Bienen schützen wollten und das Insektensterben aufhalten. Aber was ich sah, war Agroindustrie auf neuem Turbolevel. Das frühzeitige und massive Abernten, das keinem Lebewesen, das sich in den Agroindustrieflächen angesiedelt hat auch nur den Hauch einer Chance lässt. Müsste ich das Erlebte mit einem Satz beschreiben, dann hieße der "Die totale Vergewaltigung der Natur!" Und es tut weh, zu sehen, dass die Natur auf Teufel komm raus ausgebeutet wird und der Karren mit Maximalgeschwindigkeit die Wand ansteuert, an der er unweigerlich zerschellen muss. Wenn das passiert, wird es bitterböse und es soll keiner sagen, dass man es nicht gewusst habe. Man weiß es! Und man tut es trotzdem. Und warum?

Wo zwei oder drei

in meinem Namen verstreut sitzen

Ja, das wird ein Spaß bei den ersten Gottesdiensten nach dem Coronafall. Mit Platzeskorte und Absperrbändern. Kommunionausteilung mit Spuckschutz oder stumm. Da kommt sicher Stimmung auf, zumal auch nicht gesungen werden darf. Friedensgruß sowieso nicht. Und viel Luft zwischen den Besuchern. Gut das kann auch eine Chance sein, denn wenn Gott die Gottesdienste vermisste, kann er sich nun unerkannt zwischen seine Gläubigen setzen und Religion mal aus nächster Nähe erleben. Nun ist es aber so, dass akkurat die treueste Schar auch die Betagteste ist und somit die Meisthysterierte und ob die dann kommen? Oder lieber voller Angst daheim weiter schlottern und bevorzugt einsam vergreisen. Aber Vorschrift ist Vorschrift. Während man am einen Tag noch unmaskiert einkaufen durfte, war es anderntags ein Delikt. Ja, so sind wir. Entweder oder, ein Dazwischen gibt es nicht. Im Maskenjargon, also eine Halbmaske. Unmöglich! Was da alles aus einem unverhüllten Nasenloch entweichen könnte.

Eine gute Zeit für Bankräuber, denn die können jetzt ganz toll üben, wie es ist, mit einer Maske die Bank zu betreten. Sogar das Auf- und Absetzen können sie ganz natürlich üben, damit es nach dem Coronafall sitzt. Man wird so manches hinterfragen, wenn uns die Normalität wieder bekommt, zumindest sollte man das hoffen. Aber eines ist schon erstaunlich: Was auf einmal Geld da ist. Da schlackerst du mit den Ohren. Nor vor kurzem hieß es bei Forderungen nach Diesem und Jenem, dass es zwar wünschenswert wäre aber leider nicht finanzierbar ist. Und bei den Pflegeberufen wird sich zeigen, ob die große Anerkennung und Systemrelevanz die Krise überlebt oder das "leider nicht finanzierbar" zurückkehrt. Der Mensch ist ja so vergesslich.

Gegen Dürre

Bayern hat die Lösung

Die Landwirtschaft sät mit wehenden Fahnen, Staubfahnen halt und die, so stellte eine Studie der Sepp-Ochsen-Stiftung neulich fest, sind eine Folge von Trockenheit. Da im Flur des Maximilianeums noch ein ganzer Bürowagen mit Soforthilfen herumstand, schnappte sich Bauernministerin Canabis ein ganzes Bündel davon, damit die von der Trockenheit am meisten betroffenen Bauern zumindest im Getränkemarkt ihren eigenen Durst stillen können.

In langen Testreihen untersuchte die Sepp-Ochsen-Stiftung, welche Maßnahmen im Kampf gegen die Trockenheit ergriffen werden könnten. Von Seiten der Bauern wurden sofort EU-Förderungen gefordert und zwar nach Trockenheitsgrad, also je trockener desto mehr. Sie meinten, dass dadurch auch der Umweltgedanke berücksichtigt würde, weil man ja extrem trockene Felder nicht mehr bestellen kann und dadurch viel Diesel einspare. Die Dieselbeihilfe solle aber auch für die eingesparte Dieselmenge bezahlt werden. Diese Maßnahme würde jedoch die sowieso schon arg gebeutelte Mineralölindustrie hart treffen.

Als Hauptursache für die Trockenheit ermittelte die Sepp-Ochsen-Stiftung das Fehlen von Feuchtigkeit und stellte mehrere Alternativen vor, wie man diesen Mangel ausgleichen könnte. Schließlich einigte man sich auf eine möglichst naturnahe Lösung. Mit knapper Mehrheit stimmten die Abgeordneten für das Konzept Regen. Ausschlaggebend waren letztlich die Transportkosten. Knapp unterlegen ist das Konzept "Hochwasserumleitung", das die Hochwasserfluten in Dürregebiete umgeleitet hätte. 

Die Bauern forderten, dass Regen unbedingt bezuschusst werden müsse und zwar in Form von flächenbezogenen Sofortzahlungen, Ministerin Canabis sagte das zu. Die Staatsregierung beschloss als erste Sofortmaßnahme, dass es ab Sonntag zwei Wochen regnen soll. Das rief die Kötztinger auf den Plan, die um ihren Pfingsrtitt fürchten. In einer Petition verlangten sie, den Regenbeginn auf Dienstag zu verschieben und die Wochenenden jeweils regenfrei zu halten. Dieser Forderung schlossen sich auch die Biergartenbetreiber an. Sie hoffen darauf, dass auch die Nachmittage regenfrei gehalten werden können.

Nun ringt die Staatsregierung mit den Möglichkeiten, das Regengesetz in die Praxis umzusetzen. Vielversprechend waren bislang nur unterschiedliche Regentänze, die man dem indianischen Umfeld entlieh. Auch Wetterkerzen könnten eine Lösung sein, allerdings gibt es bislang nur das Modell zur Unwettervermeidung. Möglicherweise läuft es also doch auf die Hochwasserumverteilung hinaus. Deshalb wird unabhängig untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Dürrezeiten und Überschwemmungen gibt. Erste Untersuchungen in Biergärten deuten darauf hin, weil der Bierumsatz mit Temperatur und Trockenheit steigt.

Allein schon die Übersichtlichkeit der versammelten Kompetenz in der bayerischen Staatsregierung ist ein absoluter Garant dafür, dass dieses Problem, wenn schon nicht gelöst, dann doch zumindest verschärft wird.

Alles Spargel oder was?

Was man über das ellenlange Gemüse wissen sollte

War es jetzt die dritte oder die vierte Klasse? "Spargel" stand im Lesebuch und keiner wusste, was das ist. Also fast keiner, denn der Sohn vom Chefarzt schon. Der Rest: spargellos. Nicht mal die Schwarzwurzel kannten wir, den Spargel des kleinen Mannes. Gab es nicht, brauchten wir auch nicht. Als ich zum ersten Mal Spargel aß, war ich nicht überschwänglich begeistert, dachte, so was müsste intensiver schmecken. Heute kommt bei uns nur grüner Spargel auf den Tisch und nur in der Spargelzeit. Also noch nicht, wenn mit schwarzer Plastikfolie ohne Ende die Spargelbeete abgedeckt werden, damit der Spargel schneller reift, damit man den ersten Spargel hat, damit man die höchsten Preise bekommt. So läuft das Spiel. Spargel ist heute ein Massenprodukt. Der Spargelbauer bekommt EU-Gelder, weil die Massenproduktion den Preis in den Keller gerissen hat. Wann wird die Landwirtschaft das endlich begreifen. Die Spargelernte lässt sich nur mit billigen Saisonarbeitern bewerkstelligen, denen vom Mindestlohn selbstverständlich Unterkunft und Verpflegung abgezogen wird. Auch die Plastikfolien werden kein zweites Mal verwendet sondern landen auf dem weltweiten Plastikmüllberg. Man kann also am Spargel recht schön beobachten, wie sich eine ganze Branche binnen weniger Jahre selbst ruiniert hat und dabei auch noch die Umwelt schädigt. Aber wie ziehst du diese Kuh wieder aus dem Brunnen? Also ich würde mit der Streichung der Subventionen anfangen und dann mit einem Verbot von Plastikplanen auf Feldern weiter machen. Dann würde ich die Erntebedingungen verbessern. Das würde ich für alle Spargelbauern in Europa vorschreiben. Freilich würde dadurch der Spargel teurer. Aber bitteschön: Es ist Spargel, den muss man nicht jeden Tag auf dem Tisch haben und dann ist er wieder was wert. Ist wie Steak auf vegetarisch.

Leimbinder

Die Veredelung des Käfers

Es ist schon ein Kreuz mit den Wäldern. Der eine Käfer bringt die Fichten um, der andere die anderen Nadelbäume. Noch ist der andere nicht so populär, aber was weiß man schon und wenn du als Waldbauer wieder mal einen dürren Kratzen siehst, dann spürst du, wie das Geld aus dem Geldbeutel rinnt. Im Gründe müssten die Waldbauern schon alle spindeldürr sein. Sie sind es nur deshalb nicht, weil es andere Einkünfte gibt oder ein Polster. Aber es ist schon interessant, wenn man sich die Entwicklung von Konstruktionsholz anschaut. Mittlerweile scheint ja Leimholz der Verkaufsschlager. Leimholz für Binder, Leimholz für Sparren. Alles was trägt wird aus Leimholz gemacht. Ich hoffe ja schon, dass die Leimkocher ein bisschen auf Ewigkeit achten, nicht dass der Papp nach ein paar Jahren den Dienst quittiert. Da sind wir ja kein ungebranntes Kind. Leimholz entsteht aus getrockneten Brettern. Wobei es keinen Unterschied macht, ob die nun Käfer waren oder nicht, ob die Tanne waren oder Fichte. Für Leimholz passt alles und immer mehr Holz wird zu Leimholz. Aber wehe wenn du anlieferst und du kommst mit Tanne, dann gibt es Tannenabschlag oder du kommst mit Käfer, dann Schadholzpreis, auch wenn es Leimholz wird. Also Sägewerke haben es momentan schon vorteilhaft, vor allem wenn sie Leimholz produzieren können. Man nennt das Gewinnmaximierung und sogar das Finanzamt unterstützt das. Du musst also nicht glauben, dass Kolle, Käfer und Schneebruch nebst Sabine nur Verlierer kennen. Drum habe ich neulich eine schnurgerade Tanne mit ca. 8 Meter Holz fein säuberlich in Meterstücke geschnitten und zu Brennholz gespalten, weil ich in der Wertschöpfungskette auch mal das Maximum heraushauen wollte. Und dann hatte ich doch ein schlechtes Gewissen, trotzdem war die Entscheidung finanziell richtig. So verrückt ist das eben heute.

Fernes Rauschen

Eine Nachricht aus dem Nebel der Vergangenheit

Und schau mal, wenn du dich für die Gemeinde interessierst, wirst du dann an das Rathaus schreiben, wenn etwas nicht stimmt? Du wirst, natürlich. Aber wird das Rathaus das begrüßen? Ein gutes schon, ein dementsprechend allwissendes nicht. Siehst du, so erging es mir. Ich bin ja einer, der im Internet viel herumkommt. Das glaubst du nicht, wo ich schon im Internet war. Australien? Ph! Da war ich schön öfter und auch in New York, in Brasil, Moskau und weiß Gott wo, auch in der Mongolei. Google-Maps bringt dich überall hin. Und manchmal bin ich virtuell auch in Hinterfotzing unterwegs, damit ich weiß, wie gut Hinterfotzing digital aufgestellt ist.

Und was habe ich mich gefreut, als ein Marktplatz angekündigt wurde und gleich habe ich reingeschaut unter www.hinterfotzing-marktplatz.de. Aber nix. Wartungsmodus, auch heute noch. Das habe ich der Gemeinde gemeldet, weil sie das sicher nicht wusste. Immerhin ist Bürgermeister Sturbacher eine omnipräsente Kompetenz. Aber gekriegt habe ich nur eine virtuelle Watschn vom Sturbacher und dass ich die Verwaltung gefälligst verwalten lassen soll und nicht mit Kommentaren belasten. Dabei habe ich gar nicht kommentiert. Aber Kritikfähigkeit ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Bürgermeisters, die man aber bei Sturbacher vergeblich sucht. Dann eben Wartungsmodus, habe ich mir gedacht. Was geht's mich an. Übrigens auch interessant, dass in Hinterfotzing laut Internetseite die nächsten Kommunalwahlen 2020 stattfinden. Aber wie soll eine Gemeindeverwaltung binnen eineinhalb Monaten eine Internetseite aktualisieren?

Jedermann weiß, wie schnell eine Behörde arbeitet. Eineinhalb Monate sind da nicht mal ein Gähner. Das kommt schon noch, man muss nur Geduld haben. Da ich in der freien Wirtschaft tätig bin, wo Zeit Geld ist, tue ich mich mit den schneckenhaften Abläufen in der Gemeinde Hinterfotzing manchmal schwer. Dabei ist das so entschleunigend, so Ruhe verbreitend. Eigentlich visionär, wenn es denn so gewollt wäre. Aber was ist schon gewollt in einer Gemeinde? Nun ist Herr Elvau der Ritter der Kokosnuss. Am Montag ging die Sirene und keine 100 Sekunden später brauste Herr Elvau an mir vorbei. Wobei ich etwa einen Kilometer von Hinterfotzing entfernt war. Saß also Herr Elvau beim Alarm bereits im Auto und musste nur noch Martinshorn und Blaulicht einschalten? Mathematisch ist keine andere Variante denkbar. Elvau also ein Feuerwehrjunky, der den Alarm braucht, wie andere das Methadon? Nach Faktenlage eindeutig: Ja! Nun gut, der positive Aspekt: Solange er im Alarmmodus ist, kann er keinen Blödsinn anrichten. Aber! Ist er nicht im Katastrophenmodus - und das dürfte die überwiegende Zeit sein - ist er auf Unteradrenalin und das darf man nicht unterschätzen. 

So darf man getrost skeptisch in die Zukunft schauen, ob es Herrn Elvau gelingt, seine Alarmabhängigkeit in den Griff zu bekommen, beziehungsweise medikamentös behandeln zu lassen, oder ob sie  weiterhin sein Handeln bestimmt.

Bayerische Kriegsgefangenschaft

Erinnerungen an die gute alte Zeit

Der erste 1. Mai in bayerischer Kriegsgefangenschaft. Ein hartes Los. Zwar sind die Haftebedingungen zu ertragen und sogar Internet verfügbar, aber die Welt ist halt so klein geworden. Auf Lagergröße geschrumpft.

Kommandant des Gefangenenlagers ist ein Franke, irgendwas mit Poleon, vielleicht Söpoleon oder Södoleon. Einer von denen jedenfalls, die es gar nicht dramatisch genug haben können. Ohne triftigen Grund darfst du die Barracke nicht verlassen. Das Lager sowieso nicht. Damit er das auch durchsetzen kann, hat er extra ausländische Kräfte aus Deutschland angefordert. Ausgerechnet Preißn.

Und sogar innerhalb des Lagers musst du eine Maske tragen und darfst dich keinem Mitgefangenen nähern. Sogar das Gebet wurde uns verweigert. 

Ach wäre doch ein Ende in Sicht, also nicht das eigene, das kann bitte schön noch warten.

1. Mai, was für schöne Erinnerungen. Maibaumaufstellen, Maibock, Maitanz, Frühlingsausflüge in die Sonne. Mit dem Radl hinaus in die Freiheit. Freiheit! Freiheit? Weg ist sie, auf unabsehbare Zeit verloren, eingesperrt, unterdrückt von einem Franken, der Radius auf Lagergröße geschrumpft, das Leben auf Barrackengröße.

Gott sieh hier das Land der Bayern, eingesperrt von früh bis spat und bewacht von einem Franken als obs des anda ned scho dat.

Ohnmachtwechsel

Sturbacher durch Elvau ersetzt

Morgen ist es so weit, der Thron im Hinterfotzinger Rathaus wird neu besetzt. Nein, nicht das Klo, der richtige Thron natürlich, also Bürgermeisterschreibtischdrehstuhl. Bei Drehstühlen ist die Rotation der Besetzung praktisch schon eingebaut. Die Frage also nur, wie lange wer drauf bleiben darf. Das ist die Frage, die den jeweiligen Stuhlbesetzer respektive die Stuhlbesetzerin bewegt. Die Bürger interessiert mehr, was in dieser Zeit passiert. Die Eine tut viel, der Andere sitzt die Zeit ab. Das hängt von Möglichkeiten und Engagement ab. 

Viele von scheidenden Sturbachers Interessen lagen außerhalb der Gemeinde, so die Südumfahrung von Hirndübel, die er ebenso fanatisch wie erfolglos verfolgte. Ihm war es ein Anliegen, dass die Hautevolee selbst bei reichlich knapper Abfahrt aus Hinterfotzing den Flieger pünktlich erreicht. Dafür kann man schon mal ein idyllisches Flusstal opfern. Ist ja immerhin nicht seins. Und überdies hätte sich die Beton- und Asphaltmafia gefreut. Diese Freunde hat er wohl verloren.

Mal sehn, woran Herr Elvau zu scheitern beabsichtigt. Bislang konnte man bei ihm noch keinerlei Zielsetzung und Meinung erkennen. Hauptsache überall gut dastehen und jedem alles Recht machen. Aber nicht mal Gott kann das. Geschweige denn wird es Herrn Elvau gelingen. Das Peter-Prinzip (von Laurence J. Peter) besagt, dass jeder so lange befördert wird, bis er für den Posten nicht mehr geeignet ist. Und als Gemeindebürger kannst du bei jeder Wahl nur hoffen, dass es nicht zutrifft, nur um hinterher resigniert festzustellen, dass es zutraf.

Ja, so ist es, wenn die Bildungsabwanderung den IQ mitnimmt und Wüste zurücklässt. Es wäre durchaus eine interessante Linie, könnte man den Durchschnitts-IQ von Hinterfotzing über Jahrzehnte hinweg im Diagramm darstellen. Leider nicht möglich. Vielleicht aber auch gut so, weil die Hoffnung auf Besserung nicht durch die Realität vernichtet wird. Schaut man nach Amerika, dann ist festzustellen, dass die Bildungsabwanderung bereits im Weißen Haus angekommen ist. Aber mal ehrlich: Hoffnung macht das nicht.

Das Zittern der Maske

Was du beim Maskentragen beachten musst

Also jetzt pass mal auf: Wir haben nicht Fasching. Die aktuelle Maskenpflicht ist wegen eines Grippevirus, das den schönen Namen SARS-CoV-2 vulgo Coronavirus trägt. Wenn du dir das in ausreichender Menge einfängst, dann bekommst du die Grippe COVID-19. Das Virus heißt also anders als sein Ziel. Das heißt, es ist gar nicht sein Ziel, denn wenn du COVID-19 bekommst, dann sind die Tage des Virus gezählt, denn dann geht dein Körper in den Abwehrmodus und den überlebt das Virus so und so nicht. Drum ist es dem Virus ganz recht, wenn du vor dem Ausbruch der Grippe möglichst vielen Menschen möglichst nah kommst. Mundkommunion ist da eine schöne Möglichkeit. Also bei einem Infizierten die Zunge berühren und bei den Nachfolgenden vielleicht nicht infizierten auch. Sehr erfolgreiche Methode. Wobei ich jetzt nicht weiß, nach wie vielen Nichtinfizierten unbedingt wieder ein Infizierter kommen muss, damit die Infektionskette nicht abreißt.

Schwieriger wird es ohne Berührung, da musst du zumindest infizierte Feuchtigkeit absondern, also Husten oder Niesen, beides funktioniert. Deshalb hat man uns nun einen Mundschutz verpasst, den musst du in Bus und Geschäft anziehen. Und wie der dann ausschaut, da hast du ziemlich freie Hand, halt nicht von einer Netzstrupfhose, das würde vermutlich nicht viel helfen. Aber schon interessant, was den Leuten alles einfällt und wie hygienisch es vermutlich hinter einer Maske zugeht. Mal Niesen, mal Husten, mal kräftig Räuspern, die Maske fängt es auf und lagert es munter ein, denn das sind wichtige Zutaten für einen schönen Nährboden, auf dem dann auch was wachsen kann. Sehen tust du das freilich nicht oder erst verdammt spät aber dann kann es schon grün sein und einen Flaum haben.

Aber die Maske vermittelt Schutz und darum geht es. Gut möglich, dass sich bei manchen Maskenträgern eine Pilzerkrankung einstellt, also keine Speisepilzerkrankung, sondern eine in anderer Weise ekelhafte. Vielleicht Ausschlag, auf alle Fälle aber Jucken. Insofern ist ein ängstlicher Blick über den Maskenrand durchaus berechtigt, der die Furcht vor deiner Maske zum Ausdruck bringt, denn du weißt nicht, in welcher Weise dich die Maske umgestaltet. Hernach kannst du nach Aufhebung des Hausarrests wegen der Maskenfolgen das Haus nicht mehr verlassen, höchstens maskiert, aber dann fällst du erst recht auf.

Noch weiß man ja nicht, wann das Kriegsrecht wieder aufgehoben wird, vermutlich aber erst, wenn die CSU wieder deutlich über 50% ist. Ja, das ist sogar sehr wahrscheinlich. Das sieht  man mal wieder, wie dumm wir Menschen sind.

Kommt der Maulkorb?

Hinterfotzinger Verwaltung erwägt eine Beschränkung der Wortflut für Bürgermeister

Das wäre ein Novum, wenn ein Bürgermeister in seinem Redefluss eingebremst würde, aber angesichts der zu erwartenden Wortflut nach dem Amtswechsel macht man sich jetzt nicht nur Sorgen sondern Gedanken, wie man der Wortpandemie Herr werden könnte. Aber so einfach ist das gar nicht, denn alle bisher getesteten Wortzähler erwiesen sich als ungeeignet, weil sie den Abstand zwischen den Wörter nicht erkennen konnten. Beim Neuen geht ein Wort monoton in das nächste über. Es konnte jedoch sein, dass der russische Geheimdienst hier eine Lösung in Petto hat. Angeblich ist es den Russen gelungen, Bairisch per Computer zu erkennen. Ob allerdings Moskau den Hinterfotzingern zu Hilfe eilt, darf gelinde gesagt bezweifelt werden.

Aber eine Lösung muss her, so der geschäftsleidende Beamte im Rathaus, sonst werden die Gemeinderäte wahnsinnig. Selbst einem Ertrinkenden im Ozean wirft man einen Rettungsring zu, umsomehr einem gewählten Mandatsträger. Doch drängt die Zeit, denn der Amtswechsel steht in wenigen Tagen an und der Verdacht, dass sich im Sprachzentrum des Neuen bereits ein enormer Druck aufgebaut hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Den neuen Gemeinderäten wurde seitens der Verwaltung empfohlen, sich in den nächsten Tagen bei Regen ins Freie zu stellen um sich an den Schwall zu gewöhnen. Vertraut man dem aktuellen Wetterbericht, so wäre der Donnerstag wohl ein idealer Eingewöhnungstag.

Als Übergangslösung werden nun Coronamasken mit Wortfilter beschafft. Die stellt ein Schweigekloster in den Pyrenäen her. Ob sie aber noch rechtzeitig ankommen, ist die große Frage. Da aber während der lokalen Pandemie nur die Hälfte des Dorfrates tagt, können sich die Räte abwechseln und haben dann ausreichend Zeit sich von den Wortschwällen zu erholen. Jedenfalls scheint der weitere Abstieg Hinterfotzings zur Bedeutungslosigkeit für mindestens sechs Jahre gesichert und darum geht es, denn nichts schont die Umwelt Hinterfotzings mehr als Abwanderung.

Weniger Druck kommt indes von der Opposition. Sie glaubt, dass die Aussichten auf eine erfolgreiche Abstimmung zur Durchführung der Beschränkung der Wortflut sich mit jeder Sitzung verbessern. Es bleibt also spannend.

Söderismus verliert an Rückhalt

Immer mehr Menschen wollen das Leben zurück

Du musst mir das nicht glauben, aber heute Nachmittag war in einer beliebten Ausflugswirtschaft in der Gemeinde Hinterfotzing der Bär los. Es mögen an die fünfzig Radfahrer gewesen sein, die sich gemütlich auf der Wiese mit Bier, Kaffee und Kuchen, sowie Brotzeit nieder ließen. Ein lustiges Völkchen, vielleicht sogar mit Söderabstand. Aber wahrscheinlich nicht. Ist es ein Wunder? Corona findet einfach kaum statt. Kann ja sein, dass Corona nachtaktiv ist und dann bist du bei Tag ja auf der sicheren Seite. Also was heute alles an Radler unterwegs war, bricht sämtliche Sommerrekorde. Aber Sport ist halt erlaubt, also draußen. Mensch sind wir sportlich geworden. Da wird sich die Corona aber ganz schön anstrengen müssen, dass wir im Angstmodus bleiben. Ab Montag Maske, sonst bekommst du keine Leberkassemmel mehr. Aber das wird den Freiheitsdrang auch nicht aufhalten. Söder muss zurückrudern, auch wenn er die 50% Marke nicht erreicht und weiterhin Hubsi, den Selbsterwählten dulden muss. Denn eines nicht allzufernen Tages werden die Bürger keine Lust mehr auf Panikmodus haben und ihr Recht auf Normalität fordern, auch wenn sie Corona wie einer Grippe entgegentreten müssen. Eines nicht allzufernen Tages gibt es auch wieder eine Klimakrise und außerdem all die ganz normalen Probleme. Freilich, dann kommt das Coronafinanzierungsproblem hinzu und das wird vermutlich nicht lustig. Könnte sogar auf Tabularasa hinauslaufen. "Gehe zurück auf Start, gehe nicht über los!" und das Hotel in der Schlossallee ist futsch. Aber du hast die größte Gefahr seit dem zweiten Weltkrieg überlebt, also sei froh und trauere den Moneten nicht hinterher. Ja, schau'n wir halt mal, wie der Kater nach dieser kollossalen Party ausfällt. Ich hoffe ja innständig, dass diese Pandemie wieder weggeht, heute hatte ich sie auf einmal im linken Knie. Und das sage ich dir: Eine Pandemie im linken Knie, die haut dich auf das Kanapee, darauf kannst du Sagrotan nehmen. 

Dorfladen im Wartungsmodus

Herr Elvau schon vor Amtsantritt im Lösungsnotstand

Es ist ein Skandal, der beliebte neue Dorfladen von Hinterfotzing ist im Wartungsmodus. Keine Kunden, keine Angebote, kein Geschäft, nur gähnende Leere. Dabei ist um den alten Laden schon ein bisserl schad, den der war eigentlich recht freundlich hergerichtet und hätte grad jetzt in diesen hirninfizierten Zeiten seine Vorteile voll ausspielen können, aber die Rosendornen umranken ihn seit Jahren. Ist ein bisschen wie die Läden in den Westerstädten, wo das Schild im Wind knarzt und die Spinnweben in der Eingangstür hängen. Aber so ist das öfter. Du kaufst dir ein Motorrad und stellst plötzlich fest, dass du keinen Führerschein hast. Beim alten Dorfladen war es eher die Ignoranz der Zukunft und das mangelnde Interesse der Verantwortlichen. Man könnte sogar sagen "des Verantwortlichen", denn es war der Vorsitzende des Wirtschaftsrings, der die Lust daran verloren hatte. Ja, es war Herr Elvau.

Das Rennen auf der Zielgeraden aufzugeben ist aber nicht seine Erfindung, das hat in Hinterfotzing Methode. So war das auch mit der großen Dings-Aktion, die der bald scheidende Dementsprechend mit der Tourismusverdingsbums von der Uni zur Entrauchung gemacht hat. Als das Projekt fertig war, war auch das Geld aus und Werbung musste entfallen, damit das Projekt. Zigtausende Euronen in den Sand gesetzt. Warum? Es war nicht sein Projekt, es war  der Tourismusverdingsbums und vermutlich hatte er dementsprechend auch keine Ahnung von wasauchimmer, wie denn auch. Und jetzt der Herr Elvau das gleiche Massaker. Aber vielleicht doch noch nicht Herr Elvau sondern immer noch Dementsprechend.

Egal! Aber siehst du, wenn dir in einem Wahlkampf eine Domain abhanden kommt, weil du zu viel um die Ohren hattest oder auch vergessen hast, das kann ja alles passieren. Jemand also dir die Domain vorwitzig weggeschnappt hat und du weißt sogar wer. Aber du bist nicht dazu fähig, mit dem Vorwitzigen Kontakt aufzunehmen und über die Domain zu verhandeln, dann musst du dir schon die Frage gefallen lassen, wozu du überhaupt fähig bist, wenn du nicht mal so eine Lappalie lösen kannst. Dieser Frage musste sich Herr Elvau bislang nicht stellen, weil alles Vasallen, aber sie kommt.

Es gibt Dinge, die kannst du mit Excel lösen, aber die meisten eben nicht. Und wenn ein Bürgermeister die meisten Dinge nicht lösen kann, dann wird die Frage nach der Eignung schnell zum zentralen Thema, auch in den eigenen Reihen und selbst Vasallen können aufbegehren. Und dann? Siehst du, da liegt das Problem. Ich weiß genau, dass der Mt. Everest ein paar Nummern zu hoch für mich ist. Und es ist gut, wenn man das weiß, denn viele bestürmen den Mt. Everest, für die er auch ein paar Nummern zu hoch ist, aber sie erkennen ihren Irrtum zu spät. Wenn aber andererseits Bürgermeistersessel nur mit geeigneten Kandidaten besetzt würden, blieben viele Sessel leer, so wie der Everest einsam wäre. Das ist so. Hirn wächst nicht durch Wahlergebnisse. Du musst halt im Leben oft einen Kompromiss eingehen. Ist ein leerer Verkehrsministersessel besser als ein bescheuert Besetzter? Aber sogar diese Frage würden sowohl der Scheidende als auch Herr Elvau mit "bescheuert besetzt" beantworten. Und das ist die Tragik. Also  die fehlende Fähigkeit Situationen mit Eigenhirn und ohne Parteiverordnung zu beurteilen. Weil es halt so praktisch ist, Meinung von der Partei zu übernehmen. Das überfordert den eigenen Denkapparat nicht. Aber das ist fatal, denn auch noch so regelmäßige Sportschau ersetzt keinen Sport.

Das hilft aber jetzt dem Dorfladen nicht. Egal ob Alter oder Neuer, funktionieren muss er und finden muss man ihn. Während der alte nicht gefunden wird, ist der neue geschlossen. Das ist also eine typische lose-lose-Situation und maximal weit von einer win-win-Situation entfernt. Außerdem ziemlich peinlich. Und das alles nur, weil weder der Alte, noch der Neue in der Lage ist, auch nur die einfachsten Probleme durch Reden aus der Welt zu schaffen. Gut, der Alte wenn redete, dann drehen sich die Augen der Zuhörer bis ins Weiße. Der neue wenn redet, dann denkst du spontan an einen Wasserfall und lullst weg. Phänomänal ist aber, dass beide der Meinung sind, gute Redner zu sein. Wäre mir die Fähigkeit dieser grandiosen Selbstüberschätzung gegeben, würde ich wohl fataler Weise den Everest besteigen.

Maximale Selbstblamage

Über die Ankündigung des digitalen Nichts

Hinterfotzing hat einen neuen Marktplatz, also keinen echten, freilich hat es auch einen Echten, aber der ist nicht neu, einen neuen unechten hat es jetzt und zwar einen virtuellen, also einen im Internet, das habe ich heute ganz laut im Hinterfotzinger Amtsanzeiger lesen können und da war ich auch mal gleich neugierig und tippte die Adresse in den Browser ein. Und siehe da: Nix! Zweiter Versuch: auch nix und der dritte wieder nix. Im Amtsanzeiger also die Ankündigung des digitalen Nichts. Du braucht's nicht immer andere, dass sie dich blamieren, das kannst du auch selber mit ein bisschen Mühe. Und da hat sich die Gemeinde Hinterfotzing schon überhaupt nicht lumpen lassen. Wenn Blamage, dann maximal, das sieht man auf den ersten Blick. Aber siehst du, das komplettiert doch perfekt die Galerie der verkorksten Projekte. Schau mal, wenn du in München ins Valentinmuseum (eigentlich Valentinmusäum) gehst, dann erwartest du auch auch alles Mögliche außer Vernunft und so muss man das in Hinterfotzing auch sehen. Es muss doch wirklich nicht immer um Vernunft gehen. Grad jetzt in diesen coronalen Zeiten tut doch ein bisschen Humor ganz gut. Das wäre doch eine Gaudi, wenn man die Eröffnung eines Konzertsaals ankündigt, so mit "endlich ist er fertig!" und alle kommen und dann ist noch nicht mal die Baugrube ausgehoben, geschweige denn der Grund gekauft. Freilich, 1. April muss halt sein, aber der war heute nicht. Praktisch kam die Information um 21 Tage zu spät. Und drum sag ich dir: Man muss sich nicht immer an so Konventionen wie 1. April halten. Warum soll Schabernack einzig und allein dem 1. April gehören? Kann doch ebenso mal der 22. sein. Aber Schabernack und Hinterfotzinger Politbüro, nein, bei dermaßen viel Eigenwichtigkeit gibt es keinen Schabernack. Deshalb gilt trotz aller Möglichkeiten hier ausschließlich das Prinzip "peinlich". Vielleicht kommt er ja, der neue Digitalmarktplatz, vielleicht wird er aber auch ein Rohrkrepierer, das wäre ebenfalls nichts neues. Rohrkrepierer haben sogar den Vorteil, dass mit diesem Rohr auf keinen mehr geschossen wird, also friedensstiftende Maßnahme. Im Mai beginnt eine neue Ära, Anton Sturbacher geht, Herr Elvau kommt. Wird's besser? Man muss abwarten. Jeder verdient seine Chance. Bislang kann man feststellen, dass Herr Elvau von sich nicht ständig als "der Bürgermeister" spricht, was Sturbacher mit nervtötender Regelmäßigkeit und dementsprechend tat. Ob nun Herr Elvau den Sturbacher zum Ehrenbürger ernennen lässt, darf man getrost erwarten. Aber die Kosten einer Ehrenbürgerschaft belaufen sich maximal auf ein Abendessen pro Jahr, das kann man sich ungeachtet der dementsprechenden Leistung leisten.

Der König mit dem schauderbaren Blick

Ein Märchen aus dem Rautenland

Es war einmal ein König, der regierte schon sehr lange im Rautenland. Viel zu lange, wie der Königssohn meinte aber der alte König dachte gar nicht daran aufzuhören denn das Regieren im Rautenland war schön. Überall und immer gab es Feste, wo der König immer ein Freibier bekam. Aber das Bier war dem alten König gar nicht so wichtig, ihm war wichtig, dass er wichtig war und als König bist du sehr wichtig. Aber genau das wollte auch der Königssohn, obwohl der schon Bier mochte. Und so kam es, dass der alte König dem Königssohn Platz machen musste. Er wurde des Landes verwiesen und musste bei den Preußen in Berlin leben.

Wer sich an die Macht putscht, der verliert Freunde, das musste der frischgebackene König bald feststellen und er verlor sehr viele Freunde. Außerdem legte sich der frischgebackene König einen besonders schauderbaren Blick zu, um königlichen Eindruck zu machen. Aber schon bald musste er sich einen kleinen König mit seltsamer Aussprache zur Seite stellen lassen. Doch  die Aussprache störte den frischgebackenen König nicht, denn seine war auch für viele Untertanen schwer erträglich und passte nicht so recht ins Rautenland. Ihn ärgerte, dass er diesen Knilch überhaupt dulden musste.

Vieles hat er probiert, aber nichts gelang ihm. Die Zahl seiner Freund schmolz dahin. Viele Ex-Freunde huldigten nun einer intriganten Gruppe, die nicht die Herrlichkeit des Herrschers, sondern von Bienen und anderen Verzichtbarkeiten pries. Selbst als der König auch zum Bienenliebhaber wurde, änderte sich das nicht. Sie glaubten ihm nicht, unterstellten ihm sogar vorgetäuschte Bienenliebe. Also ersann er eine Bedrohung, machte ordentlich auf Panik und versetzte sein ganzes Volk in Angst und Schrecken. So dass der Bruder dem Bruder nicht mehr traute und die Mutter der Tochter. Die Menschen schlossen sich ein und verließen das Haus nur mehr mit verborgenen Gesichtern.

Frau und Mann misstrauten sich ebenfalls und zeugten keine Kinder mehr, dadurch leerten sich zunächst die Kindergärten, dann die Schulen und schließlich die Betriebe. Das Volk im Rautenland wurde alt und älter, schließlich immer weniger. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann hilft das auch nichts mehr.

Bayern schaltet ab

Rosen umranken an Grenzen die Schranken

Während man in Deutschland über Lockerungen nachdenkt, hat das südliche Nachbarland der Bundesrepublik nun einen Maulkorberlass verhängt. Wer sich schon mal mit einer Maske artikulieren musste, weiß, wie prägnant die Aussprache sein muss und wie unmöglich der außerhalb Münchens lebend Maskenbayer von einem Hochdeutschen verstanden werden kann. "Was will er?" "Hat er Deutschland soeben den Krieg erklärt?" Das kann man unmöglich riskieren. Aus diesem Grund wird Bayern nun abgeschaltet. Bayern findet ab sofort nicht mehr statt.

Wie im Märchen erstarrten die Bayern noch in der Bewegung. So blieb sogar ein Fallschirmspringer in der Luft hängen. Die Abgeordneten schlafen im Plenarsaal, gut, das ist nicht neu. Und sogar der Ministerpräsident sitzt nun mit dauererhobenem Verbotsfinger auf dem goldenen Thron der Staatskanzlei. Patrollierende Gesundheitsbürgerwehren stehen mit anklagendem Blick am Gartenzaun eines grillenden Nachbarn, der die Flasche Bier prostend erhoben hält. Die meisten Ampeln sind auf rot hängen geblieben, wenige auf grün. Auch Verschwendungsminister Scheuer blieb mit seinem bayerischen Boliden auf der A9 und ohne Tempolimit stehen. Nichts regt sich mehr. Nur die Haare wachsen beharrlich weiter. Von Tag zu Tag wuchern die Rosenranken an den Grenzen höher und höher, so dass kein Durchkommen mehr möglich scheint.

Da in dieser Situation die Sache mit dem goldenen Ball im Brunnen nicht hilft, muss wohl der Dornröschenprinz her. Aus diesem Grund hat die bayerische Bischofskonferenz die Annulierung der Ehe des Prinzen mit Dornröschen genehmigt, was der betagte Prinz begrüßte, da Dornröschen mittlerweile kein Röschen und auch keine Rose, sondern höchstenfalls ein fettes, borstiges und ständig meckerndes Dornengestrüpp ist. Außerdem stellte der Prinz nach sechzig Ehejahren fest, dass er eigentlich schwul ist und der bayerische Ministerpräsident gefällt ihm schon länger. So sattelt er sein ergrautes Pferd, gürtet sich mit dem rostigen Schwert um Bayern wieder wach zu küssen. Im letzten Moment fiel ihm ein, die Zahnprothesen mitzunehmen. Seit zwei Wochen schleppen Pferd und Reiter sich nun im Schneckentempo gen Bayern in der Hoffnung, dass der Prinz das Schwert überhaupt noch aus der Scheide ziehen kann. Und wenn sie nicht ankommen, dann schlafen wir eben weiter.

Wo ist das E?

Nach 1989 erneut Kompassprobleme

Mei war des schön, mit der Wiedervereinigung. Heut noch stinkt er mir, dass ich in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 nicht nach Berlin gefahren bin. Einfach ins Auto und in einem Stück durch und Geschichte erleben. Aber wir haben es ja alle nicht geglaubt. Wir hielten es für einen Ausrutscher. In meinem Geburtsjahr wurde die Mauer gebaut, also war für mich immer Mauer und der Willi Brand mit seiner Forderung nach Wiedervereinigung ein Phantast. Immerhin waren wir ja außerhalb der Mauer, also in Freiheit. Wobei die Berliner Mauer in Hinterfotzing relativ wurst war, wir hatten den Eisernen Vorhang, also eine Welt ohne Norden, ohne "N". Im Dezember 1989 wurde die Grenze zur Tschechoslowakei geöffnet. Die samtene Revolution im Nachbarland beendete das kommunistische Regime und damit den Eisernen Vorhang. Die Reise zu den tschechischen Nachbarn wurde so einfach wie ein Ausflug nach Österreich. Ich sehe die Gesichter der Grenzbeamten noch vor mir, die ihre aufgezwungene Tatenlosigkeit nicht begreifen konnten. Was für ein Segen für Europa war dieses Jahr 1989. 

Und nun fehlt plötzlich das "E" auf dem Kompass. Zwar gibt es keine Minenfelder und keinen Schießbefehl, auch keinen Stacheldraht und keine Mauer, aber es ist verrammelt. Felix Austria plötzlich auf dem Mond in infektionssicherer Entfernung. Man muss das nicht verstehen, dass man ein Land mit identischen Sicherheitsbestimmungen nicht mehr besuchen darf. Teile des gesunden Menschenverstands sind zur Zeit außer Kraft gesetzt. Und wenn man sieht, wie der bayerische Obersöder schauen kann. So als wäre er Herr über Corona. Dabei sollte ihn die Angst plagen, wie er aus dem Dilemma wieder raus kommt.

Der Grippewelle 2017/18 fielen in Deutschland 25.000 Menschen zum Opfer. Also mehr als in China wegen Corona gestorben sind. Den Medien war das nicht viel Sendezeit wert. Heuer ist alles völlig anders. Ein Katastrophenverhinderungsplan wurde in Gang gesetzt, der seinesgleichen noch nicht erlebt hat. Überreagiert? Schwer zu sagen. Aber selbst die Corona-Todesrate in Italien geht nicht über die Zahlen der Grippe 2017/18 hinaus. Freilich, es trifft hauptsächlich die Alten, die Vermögenden, die Vererber. Klar wollen die maximalen Schutz und noch möglichst viel vom Erbe verprassen. Also einen Impfstoff und bis dahin maximale Infektionsverhinderung. Aber die Geschichte lehrt, dass noch keiner lebend aus der Kiste Leben heraus kam. Nicht mal mit noch so viel Geld. Und die Geschichte lehr auch, dass es nicht nur alte Leute sind, die an einer Grippe sterben, sondern es trifft auch Junge. Aber Grippe verhindern zu wollen ist den Wind aufhalten zu wollen oder einen Fluss. Man kann Widerstand leisten, aber aufhalten? Niemals.

Wir sind Teil des unfassbar vielfältigen Lebens auf unserer Erde, nur ein Teil, auch wenn wir uns gerne als die Krone der Schöpfung sehen. Erreger sind auch ein Teil und dass es Mechanismen gibt, Epidemien zu bekämpfen und für einen Ausgleich zu sorgen konnte die Forschung schon vielfältig belegen. Was, wenn das große Ganze den Menschen als Epidemie betrachtet?

Volksfestabsagen

Die wahren Gründe

Bis in den August hinein werden landauf, landab die Volksfeste abgesagt. Wahrscheinlich trifft es auch noch das Oktoberfest. Offizielle Begründung: Corona. Freilich haben auch viele Brauereien coronafrei gemacht und dadurch weniger Bier produziert, aber das hätte man aufholen können. Das eigentliche Problem ist der gestiegene Heimkonsum. Mittlerweile ist es jedem Stammtischbruder klar, dass es eine Zeit nach Corona geben wird und zwar schon ziemlich bald. Und stell dir einmal vor, so ein Stammtischbruder sitzt wochenlang abstinent daheim und trinkt dann beim ersten Stammtisch im Zeitalter der Vernunft das gewohnte Stammtischquantum. Dem dreht's die Füße weg, dass du gar nicht so schnell reagieren kannst und dann knallt er vielleicht mit dem Gebiss auf den Bordstein, dass die Zähne als Querschläger davonjaulen. 

Ein verantwortungsbewusster Stammtischbruder geht dieses Risiko nicht ein und versucht das Stammtischbierniveau daheim aufrecht zu erhalten. Und mal ehrlich: Es gehen doch sogar schon die Wochentage verloren, wenn jeden Tag Samstag ist. Also wird zur Sicherheit jeden Tag eine Heimstammtischprobe angesetzt. Da schmilzt so ein Kasten schneller dahin als das Eis im Frühling und die Getränkefahrer müssen sich von früh bis spät abrackern. Selbstredend leert das die Getränkevorräte und das Bier wird knapp. Wie machst du jetzt aber ein Volksfest mit knappen Bier? Da brauchst du gar nicht erst aufsperren, denn wenn der Vollgesoffene auf einmal vor dem Nichts sitzt, steigt sein Aggressionspegel dramatisch an und er wird in wüste Beschimpfungen bis hin zu Tätlichkeiten ausrasten. Im Normalfall kein Problem, denn du stellst ihm seine zwölfte Mass hin und er schläft seelig ein. Wenn du aber kein friedenstiftendes Bier mehr hast, dann muss die Situation zwangsläufig in eine Rauferei ausarten.

Freilich hätte man auf das Bier mit dem führenden "Ö" zurückgreifen können, das ja momentan nicht so einfach in das Land mit dem führenden "Ö" transportiert werden kann, aber damit würde man das Problem lediglich in das Land mit dem führenden "Ö" verlagern und zwar in sehr viele Wirtshäuser, die in dem Land mit dem führenden "Ö" als Garagen bezeichnet werden. Ein unkalkulierbares Risiko. Außerdem wird schon lange vermutet, dass das Bier mit dem führenden "Ö" ein Feldversuch in dem Land mit dem führenden "Ö" ist und irgend ein Psychozeugs untergemischt wird. Aber bitte nicht weitersagen, weil nur Vermutung.

Hinterfotzings 3. Bürgermeister hofft jedenfalls, dass die Heimsauferei bald wieder vorbei ist, weil Bier in ein Festzelt zu bringen weit weniger auf's Kreuz geht als Bier in die privaten Kellerbars zu schleppen.

Schweineschnitzel vom Schwein

Die Erklärbarkeit der Selbstverständlichkeit

Wenn ich mir eine Leberkassemmel (das a ist kein Schreibfehler, sonder Dialekt) kaufe, dann will ich gar nicht wissen, woraus der Leberkas gemacht ist. Eine Leberkassemmel schmeckt mir, ich bin daran bislang nicht erkrankt oder verstorben und sollte ich mich mal tatsächlich erbrochen haben, dann lag es sicher nicht an der Leberkassemmel, sondern unter Umständen an der flüssigen Beilage. Aber so weit ich mich entsinne, musste ich dieses Schicksal im Zusammenhang mit dem Verzehr einer Leberkassemmel nie erleiden. Wobei nun auch das schon wieder nicht stimmt, weil man wirklich selten "eine" Leberkassemmel isst, sondern zwei. Zwei ist eine gute Mahlzeit. Eine ist ein Magentratzerl oder ein Frauengericht, denn Frauen essen nicht zwei Leberkassemmeln, sondern aus Prinzip nur eine, weil zwei! Ja wo denkst du hin und dann verdrehen sie die Augen immer so entsetzt, als könnten sie sich das nicht mal ansatzweise vorstellen, dabei könnten Frauen durchaus zwei, vielleicht sogar drei verdrücken, aber Frauen denken nicht an den Leberkassemmelgenuss sondern an die Kalorien. Ja, was glaubst du! Frauen genießen nach Kalorientabelle. Salat steht ganz oben auf der Genuss-Skala, aber bitte nicht zu viel Öl. "Und könnte ich anstelle der Putenstreifen vielleicht ein paar scheiben Käse haben, ohne Fett bitte und wirklich nur eine Messerspitze Öl!" Wenn ich mir eine Leberkassemmel - also zwei - kaufe, dann darf der Leberkas schon ordentlich dick sein. Ich käme gar nicht auf den Gedanken "mei können's mir den Leberkas bitte hauchdünn schneiden!" Da könnte ich ja gleich eine Semmel essen, obwohl Semmel, "mein Gott, so eine Kalorienbombe!" Ja Essen ist für manche zum Feind geworden. Also richtig mit Appetit. "Wie kannst du so viel essen?" "Nein, nach 15 Uhr esse ich grundsätzlich höchstens einen Salat, aber ganz wenig Öl, eine Messerspitze höchstens." Ganz oben auf der Genussliste steht bei mir Rindersteak, medium. Röstkartoffeln passen gut dazu. Auch Wienerschnitzel steht hoch im Kurs, aber wirklich Wienerschnitzel, also vom Kalb. Wienerschnitzel vom Schwein ist kein Wienerschnitzel sondern ein Schweineschnitzel, liebe Wirte. Neulich entdeckte ich auf einer Speisekarte ein Schweineschnitzel vom Schwein. Das ist zwar gut gemeint, aber gleichzeitig zu viel des Guten. Woraus soll es denn sonst gemacht werden? Gut, das weiß man in der heutigen Zeit nicht mehr mit Sicherheit. Kann sich ja mal ein Pferd im Rindsgulasch verlaufen oder ein entflohenes Kamel. Aber das würde natürlich nicht auf der Speisekarte stehen.

Dürre

Regen wegdrainiert

Heute war ich im Wald und habe eine Fuhre bereits gespaltener Meterscheite heimgebracht. Auf dem Waldweg zog ich eine Staubwolke hinter mir her. Wohlgemerkt: im April. Normalerweise fahre ich im April nicht in diesen Wald, weil zu nass, zu viel Dreck. Die Ameisen waren emsig in der warmen Sonne. Auf dem Weg zum Wald ein Straßengraben, staubtrocken, dann strömt aus einem Plastikrohr armdick Wasser in den Graben und macht sich nach der Straßenunterführung durch einen maximal geraden Graben flugs auf in den Bach. Der ist nicht begradigt, Glück gehabt. Das armdicke Wasser kommt aus einer Wiesendrainage. Die Weise staubtrocken und trotzdem fließt noch Wasser ab. Ich machte mal eine Zeitrafferaufnahme von Wolken. Da war wunderschön zu sehen, dass sich die Wolken jederzeit neu bilden, sie werden durch Verdunstung des Bodens gespeist. Geht das auch mit staubtrockenen drainierten Wiesen? Weiß ich nicht, aber wenn, dann deutlich schlechter. Kann es also sein, dass weniger Regen auch mit Maximalableitung des Wassers zusammenhängt? Mit drainierten Wiesen? Mit begradigten Bächen und Flüssen? Mit trockengelegten Sümpfen? Warum nicht? Weniger Wolken, weniger Regen. Leuchtet mir zumindest ein. Neulich ein Foto in der Zeitung mit Drainageleitungen auf einem Golfplatz. Nun ja, wenn wir es uns tatsächlich leisten wollen, einen Golfplatz zu entwässern und gleichzeitig zu bewässern, dann haben wir die Dekadenzschwelle wohl schon überschritten. Dass die Gesamterschließung mit Fernwasser auch mal in die andere Richtung gehen könnte, mit diesem Gedankengang wurde ich vor langer Zeit ausgelacht. Aber wer zuletzt lacht, hat leider keinen Grund zu lachen. Höchstens die bittere Erkenntnis, es damals schon erkannt zu haben. Ist halt schwierig, Behörden mit Zukunftsvisionen zu konfrontieren. Was Behörden begreifen, muss in ein Formular passen. Wer das begreift, begreift auch, dass Behörden nicht von der Leine gelassen werden dürfen. Nicht bevor es für alles und jedes ein Formular gibt. Also ein dementsprechendes Formular. Und so ein Formular, das alles und jedes berücksichtigt, das musst du erst mal formulieren. Und wenn du endlich damit fertig bist, ist es schon überholt, denn überholt sein ist ein wesentliches Merkmal von Formularen. Und jedes Formular muss in alle Richtungen abgesichert sein. So gab es neulich auf der Website der Gemeinde Hinterfotzing ein Formular zum Download, das man ausfüllen musste, wenn man in die Dorfratsitzung gehen wollte. Da stand drinnen, dass die Gemeinde sich verpflichtet, die Daten nicht an ein Drittland weiterzugeben. Von einem Zweitland stand aber gar nichts drin und auch nicht von einem Erstland. Da war mir klar, dass meine Daten sehr wohl an ein Erst- und Zweitland weitergegeben würden aber Gott sei Dank nicht mehr an ein Drittland. Ich habe keine Ahnung, wie lange man Beamtendeutsch studieren muss, bis dir so ein Irrsinn gelingt. Auf alle Fälle liegt es in einer Dimension, wo man den normalen Menschenverstand längst abgegeben hat. Auf alle Fälle habe ich aus Datenschutzgründen vorsorglich darauf verzichtet, die Dorfratsitzung zu besuchen. Was jetzt weder Erst- noch Zweit- noch Drittland erfahren haben.

Immer wieder Sonntags

kommt die Erinnerung

Kennen auch nur mehr die älteren Semester. Cindy & Bert sangen sich damit 1973 durch die Hitparaden. Eine Erinnerung. Immer wieder Sonntags kommt mir die Erinnerung an Gottesdienste. Mann, was für eine Chance. Bin ja auch schon ganz gespannt, wie die Gottesdienste danach sein werden. Immerhin brutal viel Reformationszeit. Die werden sie sicher nutzen. Raus mit dem ganzen Mief und Muff. Fangen wir mal mit den Niederlassgelegenheiten an. Die Sinnhaftigkeit der Sitz-Knie-Steh-Gymnastik hat sich schon ziemlich überlebt. "Beuget die Knie!" war eigentlich schon ausgestorben hat sich aber über Jungverknöchterte wieder eingeschlichen. "Erhebet euch!" Schon in Kindheit und Jugend erschloss sich mir der Sinn nicht. Aber das wird ja sicher zur Zeit wegreformiert. Und dann wird's richtig gemütlich, vielleicht sogar mit verstellbarer Rückenlehne für die Schlafposition bei der Predigt. Pfarrer Rauchbier sitzt schon mit Zigarre und Whiskey im Garten. Wird also auch der Rauch vom Fass auf gerollt umgestellt und dann jeder? Da muss ich als passionierter Nichtraucher aber gewaltig an mir arbeiten. Aber was tut man nicht alles für seinen Glauben. Angeblich ist auch die Orgel schon weg. Gott sei Dank! Modern mit Orgel ist halt auch schwierig. Und es sind ja sowieso lauter Pfeifen. Die vermisst keiner. Hat es dann vielleicht mit der egozentrischen Weinverkostung am Altar ein Ende und gibt es belegte Hostien? Vieles wird sicher mittlerweile schon umgeplant sein und wir dürfen uns auf Kirche reloaded freuen. Ob sich alle freuen, das ist nicht gewiss. Angeblich gibt es tatsächlich Anhänger der Vergangenheit. Nein, ich meine nicht die Nazis, wo denkst du hin. Ich meine die Fanatiker, die Gott vorschreiben wollen, was er zu tun hat und ihm damit ständig in den Ohren liegen. Aber die werden sich schon auch an Kirche 2.0 gewöhnen, da bin ich mir ziemlich sicher. Vor allem, wenn sie zum ersten Mal die Rückenlehnen nach hinten klappen.

Panikuntergrenze gesucht

Über die Eigendynamik der Panik

Für eine Panik brauchst du überhaupt keine Vorbedingungen. Eine Panik, das kann ich dir sagen, die kann man jederzeit machen. Da gab es dieses Hörspiel in Amerika "Krieg der Welten", es wurde am 30. Oktober 1938 ausgestrahlt und versetzte viele in Angst und Schrecken. Es ging um die Invasion durch Außerirdische. Da die aber nicht kamen, war die Panik auch schnell wieder verflogen. Merke: Panik mit erfundenem Grund legt sich. 

Jetzt haben wir aber aktuell eine Panik mit realistischem Hintergrund. Dabei hätte es gar keine Panik gebraucht, sondern besonnenes Handeln hätte genügt. Einer Grippe kommst du nämlich nicht aus und das wäre auch gar nicht gut, denn dein Körper wehrt sich und entwickelt Gegenmittel, die dann sehr lange vorhalten. Verhinderst du die Ansteckung, dann kommst du halt nächstes mal dran. Aber dann haben die Panikmacher ja Impfstoffe. Freilich Impfstoffe, das ist immer gut, zumindest für den Hersteller. Allein die Entwicklungskosten, ja was denkst du? Schon jetzt steigen die Aktien.

Ist ja auch in Ordnung. Antivirensoftware kauft man auch wie selbstverständlich. Die Wirtschaft muss brummen, dann freut sich der Anleger. Und der ist die Triebfeder. Nun ja der nicht, also der mit seiner Krötensammlung bei der Ortsbank. Aber die Ortsbank investiert in der größeren Bank, die sich zwar genausowenig auskennt, dafür aber Fachleute hat. Und so geht das hinauf bis zu den großen Spielern, die können schon mal einen ganzen Kontinent setzen. 

Wenn du eine Katastrophe ankündigst und krasse Maßnahmen verhängst, dann setzt du eine Eigendynamik in Gang, die sich auf turbo hochrotiert. Das liegt am Menschenschlag des Panikoperators. Leute also, die bei Panik sofort auf Maximalwichtigkeit beschleunigen und genauso hyperreagieren. Und wenn dann gar nichts Katastrophenmäßiges passiert, also etwas, das auch nur ein bisschen über das Potential einer normalen Grippe hinausgeht, dann hast du auf einmal Probleme mit dem Zurückrudern und dem Argumentieren des angerichteten Flurschadens. Aber das kommt davon, wenn man mit Wörtern wie Pandemie allzu leichtsinnig umgeht. Wenn du einen Kampfhund von der Leine lässt, solltest du eine Strategie haben, wie du ihn wieder einfängst.

Aber wie definierst du die Untergrenze für die Aufhebung des Home-Prison, wenn es praktisch keine auffälligen Fallzahlen gibt? In dieser Situation zieht der Panikoperator für gewöhnlich schnell den Schwanz ein und überlässt dem Stab das Erfinden plausibler Ausreden. Vieleicht, dass es bis heute kein Klopapier gäbe, wenn die Ausgangssperre nicht so gut eingehalten worden wäre. Oder dass Hefe aus Gründen der nationalen Sicherheit gebunkert wurde. Vielleicht werden aber auch Denkschutzmasken verteilt, damit die Frage nach dem Irrsinn gar nicht kommt.

Neulich passierte in der Gemeinde Hinterfotzing ein Unfall mit einem Fahrrad und einem Mofa. Beide Fahrer stürzten und verletzten sich dabei. Notarzt und Rettungswagen kamen und verfrachteten die Opfer ins Krankenhaus. Zur Unfallstelle rückten aber auch unzählige Feuerwehren aus, um den nichtvorhandenen Verkehr zu regeln. Unter anderem auch der Kreisbrandmeister im vollen Ornat und vermutlich mit eingeschaltetem Helmnebelscheinwerfern. Aufgrund des Rettungskräfteaufkommens konnte der Infektionssicherheitsabstand nicht mehr eingehalten werden. Wenn du das auf Corona überträgst, dann ist  die "Viruskatastrophenüberwältigung" schon erklärbarer. Vermutlich gibt es nach Freigabe des normalen Lebens von der VHS einen Kurs "Küssen mit Mundschutz", das würde in die Programmwichtigkeit sehr gut passen. So neben "Farbberatung für Ampelsteher" oder "Veganen Biokraftstoff selber schiffen".

 

Sicher unterwegs

Das neue Yahona-Corona-Gespann

Sicher unterwegs - Das Corona-Gespann von Yahona

Corona muss gehen

Keine Aussicht auf Asyl

Warum nicht gleich? Während alle Politik mit atemberaubender Hilflosigkeit bis hin zur völligen Kopflosigkeit auf das massenhafte Vordringen einzelner Coronaviren auf bundesdeutsches Gebiet reagierte, stellte das Asylministerium unter Minister Seepferdchen nun fest, dass sich das Virus illegal nach Deutschland begeben hat und unverzüglich das Land zu verlassen habe. "Es besteht kein ersichtlicher Grund auf Asyl", so Minister Seepferdchen.

Das Ministerium reagierte in bisher nicht gekannter Geschwindigkeit und sandte eine dementsprechende Eilanweisung an alle staatlichen Organe bis hin zum Familienministerium, das im Verdacht steht, bereits Helferkreise gebildet zu haben. Auch Fälle von Kirchenasyl sind schon aufgetreten, wie bei näherer Untersuchung von Weihwasserbecken festgestellt werden konnte. Illegal im Land befindliche Viren müssen Deutschland unverzüglich verlassen oder sich in einem der mittlerweile eingerichteten Auslieferungslager melden. Bei Nichtbeachtung droht Desinfektion.

BMW GS oder E-Bike

Wie die Rentner das Erbe verprassen

Sicherlich ist die BMW GS 1200 ein gutes Motorrad. Das GS steht für Gelände/Straße, das Hightechteil ist also quasi der SUV auf zwei Rädern und damit zunächst nicht für den Einsatzbereich gebaut, sondern für das Gefühl von Abenteuer und Freiheit. Freilich wäre eine R1200 (das R steht für Road) die geeignetere Version und man bräuchte auch keinen Motorradanzug, der nach Saharadurchquerung aussieht, aber mit einer GS und Saharaanzug kannst du dir den Hauch von Wüste und Abenteuer umhängen, den Nimbus des Draufgängers, der jeder Gefahr gewachsen ist. Die Krux dabei ist halt, dass die GS sauteuer ist und die Fahrer in der Regel die Jugend in Form von Kindern oder sogar Enkelkindern kennen. Da ist es auch verständlich, dass so Details wie Anfahrhilfe eingebaut werden oder das Gegenstück der Elchsoftware, die kleine Fahrfehler ausgleicht.

Aber wer ohne Motorradvorleben in die ergraute Phase kommt, tut sicher gut daran, der noch so fahrfehlerresistenten GS ein E-Bike vorzuziehen. Immerhin regelt das bei 25km/h ab, obwohl das für Fahrradanfänger auch schon zu schnell sein kann, wie die Unfallstatistiken belegen. Als Immerschonradfahrer habe ich alle Entwicklungen durchgemacht. Vom Rad ohne Gang über die legendäre Sachs-3-Gang-Schaltung, die kombinierte Zehngangschaltung, schließlich die Trekking- und Mountainbikes mit 21, dann 27 Gängen. Und dann kam das E-Bike. "Wenn ich siebzig bin vielleicht". So verhöhnten mich sogenannte Freunde auf meinem elektrifizierten Fahrrad. "Wohl zu faul zum Treten?" Das hatte mir auf dem Motorrad noch niemand vorgeworfen und da trittst du nicht mal. Nein, auf dem Motorrad bist du ein sportlicher Hecht, der elegant durch die Kurven tanzt.

Mittlerweile treffe ich sehr viele E-Bike-Verschmäher auf Radtouren und auf E-Bikes. "Wie lange hält dein Akku?" OK, das ist ein Reizthema, mein 510wh-Akku kann schon mal nach 60km ausgepowert sein, der meiner Frau nicht, aber der hat auch nicht so viel zu tun. Und nach der dritten Tour, die ich ohne Motorunterstützung vollendete, war die Hemmschwelle für den Ersatzakku überschritten. Aber mal ehrlich? Wie kann man sich gegen etwas so nützliches wie ein E-Bike sträuben? Das E-Bike ist die GS der Strampler, das sogar grobe Konditionsfehler ausgleicht. Und wie sie daher kommen, die Neo-E-Biker. Gestyled von Kopf bis Schuh. Aerodynamischer Helm mit verspiegelter Brille, Tour-de-Francs-gleiche Fahrradfunktionskleidung und sogar noch Klickpedale, weil der Verkäufer ihnen versicherte, dass man da besser ziehen kann. Im Grunde ist jeder GS-Verkäufer auch ein idealer E-Bike-Verkäufer. Denn du musst die Illusion verkaufen können, das Abenteuer. Den Käufer auf eine höhere Stufe Mensch heben.

Und, du wirst es mir nicht glauben. Genau die, die sich über mein erstes E-Bike aufregten: "Wohl zu faul zum Treten", die regen sich jetzt auf, weil ich mich nicht in Biker-Outfit schmeiße. Aber ich sag's dir: ich bin immer schon Radl gefahren und noch nie in stylischem Biker-Outfit. Ich weiß, wie man Radl fährt, was ich brauche und was die Branche mir andrehen will. Das mag der Branche passen oder nicht und wer meint, dass er voll durchgestyled Radlfahren muss, der darf das. Ist ja sein Geld, respektive das künftige Erbe seiner Kinder. Nicht jede Einsicht, zu der man von gewieften Verkäufern durchgerungen wurde, muss man anderen aufdrücken, um die eigene Entscheidung zu rechtfertigen. Eine Radlhose mit Polster habe ich trotzdem. Und seit einem Jahr einen richtig bequemen Sattel. Denn bis dahin vertraute ich auf Fachverkäufer, die immer zu einem möglichst harten und schmalen Sattel rieten. Seither zweifle ich daran, ob diese Fachverkäufer überhaupt ein Rad haben.

Caritatis

Wettstreit der Wohltäter

Das Klopapier ist aus! Macht nichts, der Bringdienst bringt's. Du kannst im Rathaus anrufen oder bei den Piraten, aber bitte nicht beide, sonst wirst du mit Klopapier vierhändig zwangsernährt. Begonnen haben die Piraten, aber das Rathaus ließ sich die Caritas nicht aus der Hand nehmen, abgesehen davon, dass sie dort nie war. Wenn man zwei Dinge im Rathaus überhaupt nicht mag, dann sind es Bürger, die unaufgefordert Ideen bekommen und Bürger die Aktionen starten ohne das Rathaus zu informieren. Denn das Rathaus ist die oberste Instanz des öffentlichen Lebens und sei es noch so privat, denn wo kämen wir denn da hin, wenn jeder selbsternannte Bürger auf einmal zum Wohltäter wird. In Hinterfotzing gratuliert der Bürgermeister und schon deshalb ist der Bürgermeister der Wohltäter. Aus diesem Grunde sind Klopapiernotbestellungen unter Angabe der gewünschten Durchschläge einzig und allein an den Bürgermeister zu richten. Bei Nudeln und Tomatensaucen soll der zweite Bürgermeister angerufen werden, bei Getränken der Dritte. So ist das nun in Hinterfotzing geregelt.

Bislang gibt es in Hinterfotzing noch keinen einzigen Verdachtsfall. In Zahlen 0,000 %. Das ist frappierend, denn der Aktionismus lässt eher eine Infektionsrate von mindestens dem Doppelten vermuten. Aber so ist das. Nachher werden sie freilich sagen, dass Corona in Hinterfotzing nicht den Hauch einer Chance hatte. Weil nämlich Herr Elvau sogar das Blaulicht auf sein Auto montierte und nur mehr mit Feuerwehrhelm mit eingeschaltetem Nebelscheinwerfer und einsatzbereiter Überwachungsdrohne unterwegs ist. Er setzt dabei gegenüber dem Virus auf Abschreckung. Kann schon funktionieren. Wer's nicht glaubt, bitte nur mit vorgehaltener Hand Lachen.

Während das Virus langsam in den Ferienmodus wechselt, kommen aus dem Politbüro der Landeshauptstadt Forderungen, die Leere der Autobahnen für Baumaßnahmen zu nutzen. So soll die A3 auf mindestens fünf Spuren in jede Richtung ausgebaut werden. Weil man nicht weiß, ob Corona als Dunkelziffer auf der A3 unterwegs ist, wird der Ausbau ins Internet verlagert. Aiwanger schwebt eine Lösung wie beim Computerspiel Siedler vor, wo man per Mausklick ganze Autobahnabschnitte errichten kann. Die Opposition hat deshalb einen Untersuchungsausschuss über die gehirnschädigende Wirkung von Opfösoft beantragt.
Außerdem wird endlich die Nordumfahrung von Hirndübel gebaut, damit Bürgermeiser Sturbacher nicht wieder tagelang als erster an der Ampel stehen bleibt um einen Stau zu erzeugen. 

Der Bund Naturschutz überlegt inzwischen, Corona die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Immerhin hat das Virus mehr für das Klima getan als die Umweltministerin. Auch die CSU überlegt in diese Richtung, immerhin hat Corona die Partei aus der Versenkung geholt. Man will aber erst abwarten, ob der Trend anhält. Ins Visier des Bunds der Steuerzahler ist Finanzminister Olaf Scholz geraten, der bezüglich der Herkunft des 1,3 Billionen-Pakets für die Rettung der Wirtschaft auf Italien verwies.

Die Panik kann Gott sei Dank am Laufen gehalten werden und Hinterfotzing bleibt am Puls der Zeit.

Höhenflug

CSU gibt christliches C der Kirche zurück

Da staunte sogar Söder, als er die Umfragewerte ängstlich aus dem Kellerschacht emporblinzeln sah. Immerhin hatten sie sich schon an die Dunkelheit gewöhnt. Corona als Lebensretter der CSU. Während alle Welt verängstigt und mit herabgerasselten Rollos und Mindestabstand zu den Außenwänden im hintersten Sofaeck schlottert, bringt Corona neuen Lebenssaft in die dahinmodernde Partei. Dabei sah sie sich schon als Humus der Geschichte. Noch am Aschermittwoch wurden die Grünen durch Angriffe aus der Passauer Dreiländerhalle zum Angstgegner geadelt und die Schenkelklopfer gerieten ins Stocken.

Es gibt ja Menschen, die laufen bei Katastrophen zur Höchstform auf. Herr Elvau ist so einer, der wächst mit jeder Uniformschicht. Und auch der bayerische Ministerpräsident entpuppt sich nun als Katastrophensuchti. Sich einfach hinzusödern, auf Krisenmanager machen und sich neben der Selbstbemachtung über steigende Umfragewerte der CSU zu freuen, die man – selbstredend – selber bewirkt hat. Also nicht von der Hand zu weisen, dass die C-Hysterie auch als Stimmungsmacher herhalten muss und die Maßnahmen sich an den Umfragewerten orientieren. Mit der C-Krise zurück in die guten alten Zeiten. Das christliche C wird als Anerkennung der coronossalen Leistung durch das Corona-C ersetzt. Wo sind die Pläne für die Neuerrichtung der Nibelungenhalle? Alle Macht der CSU!

Gerüchten zu Folge ist der Vorsitzende der bayerischen Bischofskonferenz Kardinal Pädophilus über diese Entwicklung nicht unglücklich. Allerdings muss man erst sehen, ob der tief eingefressene Schmutz vom zurückgegebenen C entfernt werden kann. Ansonsten würde man es zusammen mit den Missbrauchsakten entsorgen.

Und die Grünen? Man muss schon neidlos feststellen, dass selbst die radikalsten Vorschläge der Grünen nicht so viel positive Umweltauswirkungen gehabt hätten wie die C-Maßnahmen. Nicht das 3-Liter-Auto und nicht das E-Auto sondern das Bleibindergarage-Auto ist das umweltfreundlichste Auto. Denn damit ist auch das Mikroplastikproblem gelöst. Kein Reifenabrieb bei Stillstand. Das ist doch die Idee. Krisenverursachte Entwöhnung vom Auto. Mal seh’n ob Autofahren überhaupt wieder erlaubt wird.

Aber die Landtagswahl ist erst 2023 und da wird die schlimmste Galaxodemie langweilig und das Bier sauer, das den Stammtisch nicht erreicht. Außerdem scheinen einzelne Bürger die Rollos schon einen winzigen Spalt gelupft zu haben und neugierige Sonnenstrahlen erhellen die aschfahlen Gesichter. Das wird ein Spaß, wenn die Gesichtsmasken wieder abgenommen werden und die weiße Mundpartie sich vom ansonsten braunen Gesicht abhebt. Dann wird die Verwandtschaft zum Schimpansen unverkennbar. Aber noch sind wir von der FMK, der freien Mundkultur weit entfernt. Noch hat Söder den Hysteriehebel fest im Griff und wird uns weiter auf seine Seite ziehen. Söder makes CSU great again. Und Corona muss mit, ob sie will oder nicht.

Marina, Marina, Marina

Wie man bei Männern das Hirn ausschaltet

"Marina, Marina, Marina", wenn du dieses Lied nicht kennst, bis du unter achtzig. Quasi ein Greenhorn, legt man das Durchschnittsalter der Hinterfotzinger Liedertafel an, die dieses Lied gerne ins Publikum schnulzt. Das Lied stammt von Rocco Granata und wurde 1959 zum Hit. Es zählt zum modernen Teil des Repertoires der Liedertafel, das ist das Tragische. Aber gerade Männer im hohen Alter leben hauptsächlich von ihren Träumen. Insofern ist es schon ok, wenn sie singen "Bei Tag und Nacht denk ich an dich Marina!",  wenn's irgendwie hilft. Marina wird da sicher andere Interessen haben, es sei denn, sie hat einen betuchten Sänger im Visier, dann aber wohl auch mehr seine Betuchtheit. Denn dass die alten Knacker der Marina außer Geld und Erinnerungen etwas zu bieten hätten, dürfte dem Genre der Phantasie zuzurechnen sein. Marina scheint eher ein junges Ding zu sein. Schön, sicherlich, aber ein achtzigjähriger Verehrer hat auch diese Erfahrung schon hinter sich, dass Schönheit vergeht. Freilich kann man sie mit Make up noch eine Weile vortäuschen, dauert halt immer länger, bis der Schein wieder mehr oder weniger trügt. Nicht mit allen Mitteln der Welt ist er auf Jugend zu trimmen. Wie also sollte er, selbst wenn die Zahnprothese zuverlässig haftet, der Marina den Hof machen können? Und wo bleibt die Lebenserfahrung? Wer ist diese Marina? Was kann sie? Nur Schönheit reicht nicht lange. Angenommen du hast eine Baufirma und dann angelst du dir diese Marina und es stellt sich nach dem Urlaub heraus, dass sie nur dolce Vita will, du aber außer Haus musst. Da fängst du schon nach dem Zufallen der Haustür zu eifern an. Dabei ging es so leicht "Ich lud sie ein zu einem Glase Rotwein" und schwups "gab sie mir einen Kuss und das hieß ja". Ei, ei, ei! Dabei kennst du noch nicht mal die Schwiegermutter und deren Drachenqualitäten. Kommt sie mit oder bleibt sie? Dass die Sänger der Hinterfotzinger Liedertafel dieses Lied glaubhaft rüber bringen, zeigt entweder, dass sie grandiose Lügner sind oder immer noch bei jedem Rock das Hirn ausschaltet. Oder aber sie singen es gar nicht freiwillig, sondern ihre nicht weniger betagte Dompteuse lässt sich in die Rolle der Marina singen, was nicht weniger von der Realität abschweift. Bewundernswert ist jedoch die Überzeugung der Liedertafel, mit diesem Liedgut junge Sänger zu gewinnen. Ja, Glaube kann Berge versetze, aber auch dem sind Grenzen gesetzt.